Die Inhalte dieses Kapitels kurz zusammengefasst und in Zusammenhang gesetzt. Welche Details oder Fakten wurden hier nicht erwĂ€hnt, sind aber fĂŒr dich besonders spannend oder neu? In diesem Kapitel erhĂ€ltst du umfassende Informationen. Los geht's!
Erinnerung an die Erringung der Freiheit fĂŒr die ehemaligen LĂ€nder des Warschauer Pakts 2014 in Prag â Freiheit um welchen Preis?
WĂ€hrend sich das ehemalige östliche MilitĂ€rbĂŒndnis , der Warschauer Pakt, jedoch auflöste, blieb die NATO, das westliche MilitĂ€rbĂŒndnis bestehen. Und die EU war nun das einzige zivile Struktur in Europa fĂŒr wirtschaftliche Entwicklung, Demokratie und gesellschaftliche Freiheit. Die Rolle Russlands und vieler, nun unabhĂ€ngiger Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion blieb weitgehend offen, auch wenn es zu gewissen Formen des Austauschs zwischen Russland und der NATO kam.
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Quellen
Eine geordnete Welt: Was ist das? Und gab es sowas nach 1990?
Dieter Ruloff, Professor fĂŒr Internationale Beziehungen an der UniversitĂ€t ZĂŒrich: âUnter Weltordnung kann man sehr verschiedenes verstehen. Ich glaube, im Bereich der internationalen Politik und auch des Völkerrechtes steht sicherlich im Vordergrund das System der kollektiven Sicherheit, der friedlichen Streiterledigung.â
MilitĂ€rstĂŒtzpunkte der USA in der Welt. Bei genauem Hinschauen ergibt sich ein Ring rund um Russland. Die USA unterhalten rund 750â800 MilitĂ€rstĂŒtzpunkte in etwa 80 LĂ€ndern und Territorien. Darunter befunden sich groĂe und sehr leistungsfĂ€hige MilitĂ€rbasen. Russland unterhĂ€lt hingegen viel weniger StĂŒtzpunkte im Ausland. Es sind etwa 20. Viele davon sind deutlich kleiner und weniger leistungsfĂ€hig als groĂe US-Basen.
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 entstanden in Europa keine neuen gemeinsamen Sicherheitsstrukturen, die Russland einbezogen hĂ€tten. Das Land sah sich zunehmend isoliert und von Konflikten in seiner Nachbarschaft bedroht. Der Krieg in Tschetschenien (1994â1996 und 1999â2009), wo eine russische Teilrepublik die UnabhĂ€ngigkeit anstrebte, verstĂ€rkte in Moskau die Sorge vor einem weiteren Zerfall des Landes.
Zwischen 1999 und 2020 traten fast alle ehemaligen Ostblockstaaten der NATO bei. Damit rĂŒckte das westliche VerteidigungsbĂŒndnis geografisch deutlich nĂ€her an Russland heran. Ab 2007 planten die USA zudem ein Raketenabwehrsystem in Osteuropa, offiziell zur Abwehr möglicher iranischer Raketen. Russland sah darin jedoch eine EinschrĂ€nkung seiner eigenen militĂ€rischen HandlungsfĂ€higkeit. FĂŒr die osteuropĂ€ischen Staaten war die amerikanische MilitĂ€rprĂ€senz auch eine Absicherung gegenĂŒber Russland.
Wie mache ich eine innere Quellenkritik? Ein kurzer Leitfaden
Was? Inhalt der Quelle
Wann/Wo? Historischer Kontext
Wie? Sprache und Argumentation
Warum? Absicht des Verfassers
FĂŒr wen? Adressaten
Was fehlt? Auslassungen
Was bringt's? Quellenwert
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Aufgabe
Quellenkritik
Setze dich mit den Behauptungen Russlands, die der Text in Element 3 darstellt kritisch auseinander. Nutze dafĂŒr auch die Informationen des Kapitels 10.4.1. Die ukrainische Perspektive (Elemente 3-6).
28. Februar 2014: Russische Soldaten ohne Hohetsabzeichen besetzen strategisch wichtige Orte auf der Krim. Hier sind sie am Flughafen Simferopol.
2004 ĂŒbernahmen nach der "Orangenen Revolution" in der Ukraine eine prowestliche Regierung die Macht. Die Revolutionsbewegung wurde massiv von den USA und anderen westlichen Staaten unterstĂŒtzt. 2008 erhielt die Ukraine eine grundsĂ€tzliche NATO-Beitrittsperspektive. Aus russischer Sicht hĂ€tte ein NATO-Beitritt der Ukraine bedeutet, dass westliche Truppen und Waffensysteme direkt an der russischen Grenze stationiert werden könnten â was die eigene VerteidigungsfĂ€higkeit eingeschrĂ€nkt hĂ€tte. Nach der russischen Annexion der Krim und dem Ausbruch des Krieges im Donbass 2014 Ă€nderte die Ukraine ihre bisherige NeutralitĂ€tspolitik. Im Dezember 2014 gab das Parlament den blockfreien Status auf und erklĂ€rte einen NATO-Beitritt zum Ziel. Der Streit zwischen Russland und der Ukraine um den weiteren Zugriff Russlands auf den Hafen von Sewastopol, wo die russische Schwarzmeerflotte stationiert war, war fĂŒr Russland zusĂ€tzlich ein Prestigeverlust. Zunehmend musste es sich zudem respektlos behandeln lassen.
Der US-PrĂ€sident Barack Obama ĂŒber Russland im Jahr 2014
"Russia is a regional power that is threatening some of its immediate neighbors, not out of strength but out of weakness."
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Aufgabe
Politische Sprache
Setze dich mit der Aussage von Barack Obama aus dem Jahr 2014 auseinander (Element 9):
Notiere die Wörter, mit denen Obama Russland charakterisiert.
Leite die Bewertung Russlands ab, die mit dieser Charakterisierung verbunden war.
Diskutiere in Partnerarbeit, ob diese Bewertung mit Blick auf die Reaktion Russlands sinnvoll war
Berichtet ĂŒber eure  Diskussionsergebnisse im Plenum.
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Darstellung
NATO-Raketenabwehr in Osteuropa richtet sich nicht gegen Russland? Zweifel aus dem Jahr 2016
Richtet sich das EPAA also doch gegen Russland, wie nicht nur von russischer Seite, sondern etwa auch von der Opposition im Deutschen Bundestag geargwöhnt? Es wĂ€re in der Tat ein Muskelspiel mit symboltrĂ€chtigen Standorten in Polen und RumĂ€nien und eine demonstrative RĂŒckenstĂ€rkung der östlichen NATO-Alliierten, die genau das den letzten Monaten vehement eingefordert haben. Zwar war es um das VerhĂ€ltnis zwischen Russland und dem Westen bei Beginn der EPAA-Planungen noch wesentlich besser bestellt, weshalb die Auswahl der Aegis-ashore-Standorte auch nicht als unmittelbare Reaktion auf die russische Annexion der Krim missverstanden werden darf. Aber in der Tat erfĂŒllen die beiden Basen auch den Zweck einer RĂŒckversicherung der östlichen NATO-Partner. Das Russland sich provoziert fĂŒhlt, wird in dieser politischen Gemengelage kaum jemanden ĂŒberraschen. Insofern muss konstatiert werden, dass die NATO (die Angebote Russlands zur Zusammenarbeit bei der Raketenabwehr ausgeschlagen hatte), eine weitere Verschlechterung der Beziehungen billigend in Kauf nimmt.
Das kann man politisch klug finden oder nicht â keinesfalls einleuchtend ist das schon absurd anmutende Mantra, dass das EPAA nichts, aber auch gar nichts mit Russland zu tun habe. Putins Reaktion wĂ€re vermutlich kaum heftiger ausgefallen, wenn sich das BĂŒndnis klar dazu bekannt hĂ€tte, dass das EPAA selbstverstĂ€ndlich auch versuchen wĂŒrde, Raketenbeschuss von russischem Territorium abzufangen. Das Beharren auf abstrakten Bedrohungen, die einer nĂ€heren Betrachtung nicht standhalten und, mehr noch, Russland sogar explizit ausnehmen, ist nicht glaubwĂŒrdig. Es ist daher nutzlos und widerspricht der von beiden Seiten immer wieder erhobenen Forderung nach Transparenz. Angesichts von zahlreichen technischen Herausforderungen und der immens hohen Kosten muss die Frage gestellt werden, ob der durch das EPAA angerichtete Schaden nicht viel gröĂer ist als sein potenzieller Nutzen, dessen Zweifelshaftigkeit ĂŒbrigens ja auch den Russen nicht verborgen bleibt. Sollte das Vorantreiben des EPAA gar dazu fĂŒhren, dass Putin den Washingtoner Vertrag ĂŒber nukleare Mittelstreckensysteme (INF-Vertrag) kĂŒndigt, wĂ€re der Schuss wohl endgĂŒltig gewaltig nach hinten losgegangen. Cui bono? Wohl nur jenen, die mit der Raketenabwehr Geld verdienen.
Die Orangene Revolution 2004 markierte einen Wendepunkt in den russisch-ukrainischen Beziehungen. Als nach massiven Protesten gegen WahlfĂ€lschung der prowestliche Kandidat Wiktor Juschtschenko die PrĂ€sidentschaft gewann, sah Moskau darin mehr als nur einen innenpolitischen Machtwechsel im Nachbarland. Nach der Orangenen Revolution 2004 strebte die Ukraine unter PrĂ€sident Juschtschenko eine Integration in den Westen an. Moskau sah darin eine Bedrohung: Die westliche UnterstĂŒtzung fĂŒr die ukrainische Zivilgesellschaft galt aus russischer Sicht nicht als Demokratiehilfe, sondern als Einflussnahme in einem Land, das Russland zu seiner InteressensphĂ€re zĂ€hlte. Das wurde bestĂ€tigt, als 2014 mit den Demonstrationen von Oppositionellen auf dem âPlatz der UnabhĂ€ngigkeitâ (Majdan Nesaleschnosti) gegen die Regierung der Sturz des eher moskaufreundlichen PrĂ€sidenten Viktor Janukowytsch bewirkt wurde.Â
Janukowytsch hatte zuvor ein fertig ausgehandeltes Assoziierungsabkommen mit der EU, das der Ukraine gĂŒnstige Kredite und niedrige Gaspreise angeboten hatte, nicht unterzeichnet. Dies wurde zum Anlass fĂŒr Massenproteste in Kiew. Zehntausende versammelten sich auf dem zentralen UnabhĂ€ngigkeitsplatz, dem Maidan, und forderten die europĂ€ische Integration. Im Januar 2014 eskalierten die Proteste. ScharfschĂŒtzen erschossen ĂŒber hundert Demonstranten. Wer die SchĂŒtzen befehligte, ist bis heute umstritten. Der PrĂ€sident floh schlieĂlich nach Russland und die Opposition ĂŒbernahm die Macht. Aus russischer Sicht war dies ein inszenierter, von westlichen Medien, Regierungen und Geheimdiensten unterstĂŒtzter Putsch, denn Janukowytsch war demokratisch gewĂ€hlt. Gerade die IllegalitĂ€t dieser Ereignisse in Kiew rechtfertigte dann fĂŒr die russische Regierung die anschlieĂende Annexion der Krim und die UnterstĂŒtzung der Separatisten im Donbass.
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Quelle
Ukraine: Haben die Amis den Maidan gekauft?
Wie stark mischt sich die USA in die StaatsgeschÀfte der Ukraine ein?  Hier geht's zum Artikel.
§Ăffentliche Berichterstattung ĂŒber Victoria Nulands abfĂ€llige ĂuĂerung§OriginalgesprĂ€ch am Telefon mit Ăbersetzung
Was niemand sagt: Russland braucht die Wirtschaftskraft der Ukraine
Sitz der Firma "Motor Sitsch" â einer der wichtigsten ukrainischen Produzenten von Triebwerken fĂŒr russische Kampfhubschrauber
Die Ukraine war die zweitwichtigste Wirtschaftskomponente der Sowjetunion und produzierte 17 Prozent der sowjetischen Industrieproduktion und 21 Prozent der landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Besonders bedeutsam war die RĂŒstungsindustrie: Die Ukraine produzierte etwa die HĂ€lfte aller sowjetischen Panzer und Raketen und erbte bei der Auflösung der Sowjetunion etwa 30 Prozent der sowjetischen RĂŒstungsindustrie, darunter rund 750 Fabriken und 140 wissenschaftlich-technische Institute.
Die Verflechtung blieb nach der UnabhĂ€ngigkeit bestehen: Das russisch-ukrainische Handelsvolumen im RĂŒstungsbereich umfasste 7.000 bis 8.000 verschiedene Produkte, und 1.330 Unternehmen waren an der Zusammenarbeit beteiligt. Das Gesamtvolumen russischer Zivil- und MilitĂ€rauftrĂ€ge an ukrainische Unternehmen betrug 2014 etwa 15 Milliarden Dollar â das entsprach 8,2 Prozent des ukrainischen BIP. Eine Wirtschaft, die sich nach Westen ausrichtete, konnte sich Russland nicht leisten. Es versucht mit dem Krieg, Wirtschaft und Ressourcen der Ukraine an sich zu binden.
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§Wladimir Putin bezeichnet ab Minute 1:57 die Ukraine als "ganz und gar von Russland geschaffen"
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Quelle
Zur historischen Einheit von Russen und Ukrainern - ein historischer Aufsatz von W. Putin
Hinweis: Der folgende Text stammt aus einem Aufsatz, den der russische PrÀsident Wladimir Putin am 12.6.2021 veröffentlichte. In diesem Text versucht Putin historisch herzuleiten, dass es sich bei Ukrainern und Russen (und Belarussen) um ein und dasselbe Volk handele.
Als ich kĂŒrzlich [...] nach den russisch-ukrainischen Beziehungen gefragt wurde, sagte ich, dass Russen und Ukrainer ein Volk sind â ein einziges Ganzes. Diese Worte wurden nicht von kurzfristigen ErwĂ€gungen getrieben oder vom aktuellen politischen Kontext veranlasst. [...]
Russen, Ukrainer und WeiĂrussen sind alle Nachkommen der alten Rus, dem gröĂten Staat Europas. Slawische und andere StĂ€mme auf dem riesigen Territorium â von Ladoga, Nowgorod und Pskow bis nach Kiew und Tschernigow â waren durch eine Sprache (die wir heute als Altrussisch bezeichnen), wirtschaftliche Bindungen und die Herrschaft der FĂŒrsten der Rurik-Dynastie miteinander verbunden, und â nach der Taufe von Rus â der orthodoxe Glaube. Die geistliche Wahl des hl. Wladimir, der sowohl FĂŒrst von Nowgorod als auch GroĂfĂŒrst von Kiew war, bestimmt noch heute weitgehend unsere Zugehörigkeit. [...]
Am wichtigsten ist, dass die Menschen in den westlichen und östlichen russischen LÀndern dieselbe Sprache sprachen. Ihr Glaube war orthodox. Bis Mitte des 15. Jahrhunderts blieb die einheitliche Kirchenregierung in Kraft. [...]
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Darstellung
Warum Putin sich nicht mit dem Zerfall der Sowjetunion abfinden will.
All diese Sowjetrepubliken wurden auf Territorien gegrĂŒndet, die 1914, vor dem Ersten Weltkrieg, noch zum russischen Zarenreich gehört hatten. Die GrĂŒndung all dieser neuen Sowjetrepubliken verkleinerte das Territorium des ĂŒbrig bleibenden russischen Territoriums also erheblich. Die russische Sowjetrepublik war zwar die mit Abstand gröĂte Republik der Sowjetunion, sie war aber erheblich kleiner als das alte Russische Reich. FĂŒr Putin wurden mit der GrĂŒndung all dieser Sowjetrepubliken also riesige Landesteile aus Russland herausgetrennt und zu eigenen Staaten gemacht.
Solange die Sowjetunion bestand, fiel das nicht wirklich auf. Denn die Teilrepubliken wurden ja faktisch alle von der Kommunistischen Partei in Moskau regiert. Als die Sowjetunion allerdings 1991 aufgelöst wurde, fiel das ganze System auseinander: Ăbrig blieb ein russischer Staat, der erheblich kleiner als das frĂŒhere Zarenreich war und viele nun tatsĂ€chlich unabhĂ€ngige Staaten.
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Aufgabe
Argumente prĂŒfen
Setze dich mit der Behauptung auseinander, dass Russland und die Ukraine historisch zusammengehören, die Wladimir Putin in der Quelle E 13 Ă€uĂert. Nutze dafĂŒr auch das Kapitel 10.1
FĂŒr Russland verdichten sich viele Ursachen â Gefahr war im Verzug - Russlands offizielle KriegsbegrĂŒndungen
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Russland bezeichnet den Angriff als "militĂ€rische Spezialoperation" und nennt mehrere direkte GrĂŒnde, die ein Eingreifen unumgĂ€nglich machten:
"Entnazifizierung"
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Russland behauptet, die Ukraine werde von einem "Nazi-Regime" beherrscht, das die russischsprachige Bevölkerung unterdrĂŒcke. Moskau verweist auf rechtsextreme Gruppen wie das Asow-Regiment und stilisiert den Krieg als Fortsetzung des Kampfes gegen den Faschismus im Zweiten Weltkrieg.
"Demilitarisierung"
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Die zunehmende militĂ€rische Zusammenarbeit der Ukraine mit NATO-Staaten und die AufrĂŒstung der ukrainischen Armee stellten laut Moskau eine wachsende Bedrohung dar. Russland mĂŒsse verhindern, dass westliche Waffen und NATO-Infrastruktur direkt an seiner Grenze stationiert werden.
Schutz der Bevölkerung im Donbass
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Russland wirft der Ukraine vor, seit 2014 einen "Genozid" an der russischsprachigen Bevölkerung in den Separatistengebieten verĂŒbt zu haben. Die Anerkennung der "Volksrepubliken" Donezk und Luhansk unmittelbar vor dem Einmarsch diente als Grundlage fĂŒr ein angebliches Hilfeersuchen, das die Intervention rechtfertigen sollte.
Verhinderung des NATO-Beitritts
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Die NATO-Erweiterung und die Weigerung des Westens, verbindlich auf eine Aufnahme der Ukraine zu verzichten oder auf den russischen Forderungskatalog vor Beginn des Kriegs einzugehen, habe Russland keine andere Wahl gelassen.
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Erweiterung
TruppenaufmÀrsche vor Beginn des Krieges
Schon seit 2021 begann Russland mit TruppenaufmĂ€rschen, vorgeblich zunĂ€chst als Reaktion auf eines der gröĂten NATO-Manöver in Europa seit Jahrzehnten. Dieses Manöver "Defender-Europe 2021" fand in der Ukraine statt. Soldaten und Technik aus 27 Staaten war beteiligt. Insgesamt waren es 28.000 Soldaten.
Russland verlegte Truppen an seine Westgrenze, insgesamt etwa 80.000 Soldaten. Im Oktober 2021 begann eine zweite Phase des russischen Aufmarschs 2021. Anfang Februar waren es etwa 200.000 Soldaten. Hinzu kamen Munitionslager, Feldlazarette und Sicherheitsdienste.
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Aufgabe
Beurteile: Berechtigen all die von Russland vorgebrachten 'GrĂŒnde' den Beginn des Krieges?
Nutze dazu auch die Festlegung in der Charta der Vereinten Nationen: "Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische UnabhÀngigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit den Zielen der Vereinten Nationen unvereinbare Androhung oder Anwendung von Gewalt." (UN-Charta, Artikel 2, Absatz 4)
Die russische Propaganda stellte den RĂŒckzug aus dem Raum Kiew nicht als militĂ€risches Scheitern dar, sondern als "Geste des guten Willens" im Rahmen von Friedensverhandlungen. Die eigentlichen Ziele seien ohnehin der Donbass und der SĂŒden gewesen. Die hohen Verluste der ersten Wochen wurden verschwiegen oder drastisch heruntergespielt.
Cc4BYSAAngehörige des Asow-Regiment zeigen ihre Fahrzeuge in Mariupol (2016). Die Fahrzeuge vom Typ "KrAZ Shrek One" wurden von einer ukrainischen Firma zusammen mit einer Firma produziert, die in Kanada und den Vereinigten Arabischen Emiraten ansĂ€ssig ist.§
Cc4BYSAAngehörige des Bataillons Asow im Sommer 2014 auf einem ihrer StĂŒtzpunkte. Am GebĂ€ude sind eine Hakenkreuzfahne und die Fahne der Ukrainischen AufstĂ€ndischen Armee (UPA) zu sehen, die 1942 gegrĂŒndet wurde und wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs zeitweise mit dem nationalsozialistischen Deutschland kooperierte.§
Die ukrainische Polizei untersuchte die Folgen der russischen Besatzung im Oblast Kiew. Das Bild zeigt von russischen Truppen getötete Einwohner der Stadt Butscha. Die Leichen wurden aus einem Massengrab exhumiert.
Als Bilder von ermordeten Zivilisten in Butscha um die Welt gingen, reagierte Moskau mit kategorischer Leugnung: Die Aufnahmen seien "inszeniert", die Leichen von ukrainischen Geheimdiensten platziert worden, um Russland zu diskreditieren. Diese Darstellung wurde beibehalten, obwohl Satellitenbilder die Leichen bereits wÀhrend der russischen Besatzung zeigten.
Nach dem Abzug der russischen Truppen sind in der ukrainischen Stadt Butscha viele tote Zivilisten gefunden worden. Ex-NATO-General Erhard BĂŒhler erwartet, dass es demnĂ€chst aus Mariupol Ă€hnliche Bilder geben könnte.§
Die Einnahme von Mariupol wurde als groĂer Sieg gefeiert â insbesondere die Kapitulation der Verteidiger im Stahlwerk Asowstal, die als "Nazis" bezeichnet wurden. Die vollstĂ€ndige Zerstörung der Stadt und die zivilen Opfer blieben in russischen Medien weitgehend unerwĂ€hnt oder wurden der Ukraine angelastet.
§CBS-Filmbericht ĂŒber den Wiederaufbau Mariupols durch Russland â oftmals wird daraus in russischen Medien Propaganda ĂŒber die wirtschaftliche Kraft und Menschenfreundlichkeit Russlands gemacht.Ăber 200 ukrainische Soldaten verlassen das belagerte Asow-Stahlwerk, die ukrainische Armee erzielt Erfolge bei Charkiw und welche Bedeutung hat die umkĂ€mpfte Schlangeninsel? EinschĂ€tzungen von Ex-General Erhard BĂŒhler.§
Den Verlust groĂer Gebiete bei Charkiw im September 2022 erklĂ€rte das Verteidigungsministerium als "Umgruppierung" zur StĂ€rkung anderer Frontabschnitte. Die Aufgabe Chersons im November â der einzigen eroberten Regionalhauptstadt â wurde als "schwierige, aber richtige Entscheidung" prĂ€sentiert, um Soldatenleben zu schonen.
§MilitĂ€r-Blog "Macronomist": "Russen verlieren die Westseite der Oblast Cherson, Ukrainer befreien erste StĂ€dte!"
Phase 3: "ZermĂŒrbung des Feindes" (2023â2024)
Die monatelangen, verlustreichen KĂ€mpfe um StĂ€dte wie Bachmut wurden in russischen Medien als strategisch entscheidende Schlachten dargestellt. Der enorme Blutzoll â Zehntausende Tote, darunter viele HĂ€ftlinge der Wagner-Gruppe â wurde heruntergespielt. Stattdessen betonte man die angeblich noch höheren ukrainischen Verluste.
Das Scheitern der ukrainischen Sommeroffensive 2023 nutzte die Propaganda, um westliche Waffenlieferungen als wirkungslos darzustellen und die "Ăberlegenheit" der russischen Verteidigung zu betonen.
§ARD-Bericht ĂŒber die Probleme der ukrainischen Armee, Soldaten zu rekrutieren. Oftmals werden junge Leute regelrecht gejagt und mit Gewalt zum Kampf an die Front geschicktZu hohe Erwartungen an die Offensive? Die ukrainische Offensive stockt. Der ukrainische Oberbefehlshaber kritisiert, viele hĂ€tten zu hohe Erwartungen. Dabei liefere der Westen zu wenig Waffen. Und: Ein Panzer-Reparatur-Hub und ein deutsch-polnischer Streit.§
Den ukrainischen VorstoĂ nach Kursk im August 2024 stellte die Propaganda zunĂ€chst als unbedeutend dar, spĂ€ter als "terroristischen Ăberfall" auf russisches Territorium. Der langsame russische Vormarsch im Donbass wird als stetiger, unaufhaltsamer Erfolg prĂ€sentiert.
PrĂ€sident Putin behauptet regelmĂ€Ăig, russische Truppen wĂŒrden "entlang der gesamten Frontlinie vorrĂŒcken" â was nicht den Tatsachen entspricht. Die tatsĂ€chlich minimalen GelĂ€ndegewinne von wenigen Quadratkilometern pro Woche werden als groĂer Erfolg gefeiert.
§Bericht von Buzz Plus: Russische Truppen rĂŒcken in die Stadt Pokrowsk ein (November 2025)
Phase 1
Phase 2
Phase 3
Phase 4
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Methodenhinweis zur Ideologiekritik
Hinweis fĂŒr den Unterricht: Merkmale der russischen Kriegspropaganda
FĂŒr die Propaganda werden immer wieder Formulierungen gefunden, die Verbrechen vertuschen und verbrecherische Taten rechtfertigen sollen. Dazu benutzt man zum Beispiel folgende Methoden:
TĂ€ter-Opfer-Umkehr: Russland als Verteidiger, Ukraine als Aggressor
Kategorische Leugnung: Kriegsverbrechen werden als FĂ€lschungen abgetan
Umdeutung von Niederlagen: RĂŒckzĂŒge werden zu "Gesten des guten Willens"
Dehumanisierung: Ukrainer als "Nazis", ukrainische Soldaten als "DrogenabhÀngige"
Informationskontrolle: Keine unabhÀngige Berichterstattung, Zensur sozialer Medien
WidersprĂŒchliche Narrative: Gleichzeitig "keine Verluste" und "heldenhafter Kampf"
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Aufgabe
Ideologie erkennen
Die Ăberschriften zu den Phasen des Krieges stammen aus der russischen Propaganda. Setze dich kritisch mit ihnen auseinander.
Ordne die Aussagen in den Ăberschriften den Propaganda-Methoden in Element 41 zu.