10.4.2 Die russische Perspektive

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https://de.wikipedia.org/wiki/Streitkr%C3%A4fte_Russlands#/media/Datei:Middle_emblem_of_the_Armed_Forces_of_the_Russian_Federation_(27.01.1997-present).svg

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Emblem der russischen StreitkrÀfte

10.4.2 Die russische Perspektive

1

Die Inhalte dieses Kapitels kurz zusammengefasst und in Zusammenhang gesetzt.
Welche Details oder Fakten wurden hier nicht erwĂ€hnt, sind aber fĂŒr dich besonders spannend oder neu?
In diesem Kapitel erhÀltst du umfassende Informationen. Los geht's!

§ PD
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Keine gemeinsamen Sicherheitsstrukturen in Europa – NATO bedroht die Sicherheitsinteressen Russland – Russland muss Krieg fĂŒhren

Keine Lösung fĂŒr den postsowjetischen Raum

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Urheber: David SedleckĂœ

https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Mikhail_Gorbachev?uselang=de#/media/File:N%C3%A1rodn%C3%AD_t%C5%99._Praha_2014.JPG

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Erinnerung an die Erringung der Freiheit fĂŒr die ehemaligen LĂ€nder des Warschauer Pakts 2014 in Prag – Freiheit um welchen Preis?

WĂ€hrend sich das ehemalige östliche MilitĂ€rbĂŒndnis , der Warschauer Pakt, jedoch auflöste, blieb die NATO, das westliche MilitĂ€rbĂŒndnis bestehen. Und die EU war nun das einzige zivile Struktur in Europa fĂŒr wirtschaftliche Entwicklung, Demokratie und gesellschaftliche Freiheit. Die Rolle Russlands und vieler, nun unabhĂ€ngiger Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion blieb weitgehend offen, auch wenn es zu gewissen Formen des Austauschs zwischen Russland und der NATO kam.

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Quellen

Eine geordnete Welt: Was ist das? Und gab es sowas nach 1990?

Dieter Ruloff, Professor fĂŒr Internationale Beziehungen an der UniversitĂ€t ZĂŒrich:
„Unter Weltordnung kann man sehr verschiedenes verstehen. Ich glaube, im Bereich der internationalen Politik und auch des Völkerrechtes steht sicherlich im Vordergrund das System der kollektiven Sicherheit, der friedlichen Streiterledigung.“

Professor Victor-Yves GhĂ©bali, Professor UniversitĂ€t ZĂŒrich:

„Es hat im Grunde nie eine Weltordnung gegeben. Auch der oft verwendete Begriff internationale Gemeinschaft oder Staatengemeinschaft ist eine Fiktion. Es gibt keine Ordnung, es gibt bloß Interessenpolitik. Viele glaubten zwar, dass die Menschheit mit der Globalisierung und dem Sieg ĂŒber den Kommunismus einen großen moralischen Schritt getan habe – doch was brach unmittelbar nach dem Ende des Kommunismus aus? Der Bosnienkrieg!“

Eine BegrĂŒndung fĂŒr den PrĂ€ventivkrieg

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MilitĂ€rstĂŒtzpunkte der USA in der Welt. Bei genauem Hinschauen ergibt sich ein Ring rund um Russland. Die USA unterhalten rund 750–800 MilitĂ€rstĂŒtzpunkte in etwa 80 LĂ€ndern und Territorien. Darunter befunden sich große und sehr leistungsfĂ€hige MilitĂ€rbasen. Russland unterhĂ€lt hingegen viel weniger StĂŒtzpunkte im Ausland. Es sind etwa 20. Viele davon sind deutlich kleiner und weniger leistungsfĂ€hig als große US-Basen.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 entstanden in Europa keine neuen gemeinsamen Sicherheitsstrukturen, die Russland einbezogen hĂ€tten. Das Land sah sich zunehmend isoliert und von Konflikten in seiner Nachbarschaft bedroht. Der Krieg in Tschetschenien (1994–1996 und 1999–2009), wo eine russische Teilrepublik die UnabhĂ€ngigkeit anstrebte, verstĂ€rkte in Moskau die Sorge vor einem weiteren Zerfall des Landes.

Zwischen 1999 und 2020 traten fast alle ehemaligen Ostblockstaaten der NATO bei. Damit rĂŒckte das westliche VerteidigungsbĂŒndnis geografisch deutlich nĂ€her an Russland heran. Ab 2007 planten die USA zudem ein Raketenabwehrsystem in Osteuropa, offiziell zur Abwehr möglicher iranischer Raketen. Russland sah darin jedoch eine EinschrĂ€nkung seiner eigenen militĂ€rischen HandlungsfĂ€higkeit. FĂŒr die osteuropĂ€ischen Staaten war die amerikanische MilitĂ€rprĂ€senz auch eine Absicherung gegenĂŒber Russland.

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https://commons.wikimedia.org/wiki/File:History_of_NATO_enlargement_animation.gif#/media/File:History_of_NATO_enlargement_animation.gif

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NATO-Osterweiterung

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Hinweis

Wie mache ich eine innere Quellenkritik? Ein kurzer Leitfaden

Was?
Inhalt der Quelle

Wann/Wo?
Historischer Kontext

Wie?
Sprache und Argumentation

Warum?
Absicht des Verfassers

FĂŒr wen?
Adressaten

Was fehlt?
Auslassungen

Was bringt's?
Quellenwert

Marcus Ventzke

7

Aufgabe

Quellenkritik

Setze dich mit den Behauptungen Russlands, die der Text in Element 3 darstellt kritisch auseinander.
Nutze dafĂŒr auch die Informationen des Kapitels 10.4.1. Die ukrainische Perspektive (Elemente 3-6).

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Urheber: Elizabeth Arrott

https://de.wikipedia.org/wiki/Annexion_der_Krim_2014#/media/Datei:VOA-Crimea-Simferopol-airport.jpg

PD

28. Februar 2014: Russische Soldaten ohne Hohetsabzeichen besetzen strategisch wichtige Orte auf der Krim. Hier sind sie am Flughafen Simferopol.

2004 ĂŒbernahmen nach der "Orangenen Revolution" in der Ukraine eine prowestliche Regierung die Macht. Die Revolutionsbewegung wurde massiv von den USA und anderen westlichen Staaten unterstĂŒtzt. 2008 erhielt die Ukraine eine grundsĂ€tzliche NATO-Beitrittsperspektive. Aus russischer Sicht hĂ€tte ein NATO-Beitritt der Ukraine bedeutet, dass westliche Truppen und Waffensysteme direkt an der russischen Grenze stationiert werden könnten – was die eigene VerteidigungsfĂ€higkeit eingeschrĂ€nkt hĂ€tte. Nach der russischen Annexion der Krim und dem Ausbruch des Krieges im Donbass 2014 Ă€nderte die Ukraine ihre bisherige NeutralitĂ€tspolitik. Im Dezember 2014 gab das Parlament den blockfreien Status auf und erklĂ€rte einen NATO-Beitritt zum Ziel. Der Streit zwischen Russland und der Ukraine um den weiteren Zugriff Russlands auf den Hafen von Sewastopol, wo die russische Schwarzmeerflotte stationiert war, war fĂŒr Russland zusĂ€tzlich ein Prestigeverlust. Zunehmend musste es sich zudem respektlos behandeln lassen.

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Erweiterung

Sicherheitspolitik seit Ende des Kalten Krieges

Mit den Fragen von MilitĂ€r und Sicherheit in Europa haben sich viele Fachleute beschĂ€ftigt. Weitere Informationen dazu findest du etwa bei der Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung und beim Deutschlandfunk. Über die MilitĂ€rkrĂ€fte Russlands und ihre Stationierung kannst du dich etwa bei der Georgischen Stiftung fĂŒr strategische und internationale Studien informieren.

Zusammengestellt von Marcus Ventzke

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§ PD

US-PrĂ€sident Barack Obama ĂŒber Russland

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Darstellung

Der US-PrĂ€sident Barack Obama ĂŒber Russland im Jahr 2014

"Russia is a regional power that is threatening some of its immediate neighbors, not out of strength but out of weakness."

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Aufgabe

Politische Sprache

Setze dich mit der Aussage von Barack Obama aus dem Jahr 2014 auseinander (Element 9):

  1. Notiere die Wörter, mit denen Obama Russland charakterisiert.
  2. Leite die Bewertung Russlands ab, die mit dieser Charakterisierung verbunden war.
  3. Diskutiere in Partnerarbeit, ob diese Bewertung mit Blick auf die Reaktion Russlands sinnvoll war
  4. Berichtet ĂŒber eure  Diskussionsergebnisse im Plenum.
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Darstellung

NATO-Raketenabwehr in Osteuropa richtet sich nicht gegen Russland? Zweifel aus dem Jahr 2016

Richtet sich das EPAA also doch gegen Russland, wie nicht nur von russischer Seite, sondern etwa auch von der Opposition im Deutschen Bundestag geargwöhnt? Es wĂ€re in der Tat ein Muskelspiel mit symboltrĂ€chtigen Standorten in Polen und RumĂ€nien und eine demonstrative RĂŒckenstĂ€rkung der östlichen NATO-Alliierten, die genau das den letzten Monaten vehement eingefordert haben. Zwar war es um das VerhĂ€ltnis zwischen Russland und dem Westen bei Beginn der EPAA-Planungen noch wesentlich besser bestellt, weshalb die Auswahl der Aegis-ashore-Standorte auch nicht als unmittelbare Reaktion auf die russische Annexion der Krim missverstanden werden darf. Aber in der Tat erfĂŒllen die beiden Basen auch den Zweck einer RĂŒckversicherung der östlichen NATO-Partner. Das Russland sich provoziert fĂŒhlt, wird in dieser politischen Gemengelage kaum jemanden ĂŒberraschen. Insofern muss konstatiert werden, dass die NATO (die Angebote Russlands zur Zusammenarbeit bei der Raketenabwehr ausgeschlagen hatte), eine weitere Verschlechterung der Beziehungen billigend in Kauf nimmt.

Das kann man politisch klug finden oder nicht – keinesfalls einleuchtend ist das schon absurd anmutende Mantra, dass das EPAA nichts, aber auch gar nichts mit Russland zu tun habe. Putins Reaktion wĂ€re vermutlich kaum heftiger ausgefallen, wenn sich das BĂŒndnis klar dazu bekannt hĂ€tte, dass das EPAA selbstverstĂ€ndlich auch versuchen wĂŒrde, Raketenbeschuss von russischem Territorium abzufangen. Das Beharren auf abstrakten Bedrohungen, die einer nĂ€heren Betrachtung nicht standhalten und, mehr noch, Russland sogar explizit ausnehmen, ist nicht glaubwĂŒrdig. Es ist daher nutzlos und widerspricht der von beiden Seiten immer wieder erhobenen Forderung nach Transparenz. Angesichts von zahlreichen technischen Herausforderungen und der immens hohen Kosten muss die Frage gestellt werden, ob der durch das EPAA angerichtete Schaden nicht viel grĂ¶ĂŸer ist als sein potenzieller Nutzen, dessen Zweifelshaftigkeit ĂŒbrigens ja auch den Russen nicht verborgen bleibt. Sollte das Vorantreiben des EPAA gar dazu fĂŒhren, dass Putin den Washingtoner Vertrag ĂŒber nukleare Mittelstreckensysteme (INF-Vertrag) kĂŒndigt, wĂ€re der Schuss wohl endgĂŒltig gewaltig nach hinten losgegangen. Cui bono? Wohl nur jenen, die mit der Raketenabwehr Geld verdienen.

Ausbau der Ukraine als pro-westlicher Staat

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https://de.wikipedia.org/wiki/Orange_Revolution#/media/Datei:Morning_first_day_of_Orange_Revolution.jpg

Cc3BYSA

Orange Revolution 2004

Die Orangene Revolution 2004 markierte einen Wendepunkt in den russisch-ukrainischen Beziehungen. Als nach massiven Protesten gegen WahlfĂ€lschung der prowestliche Kandidat Wiktor Juschtschenko die PrĂ€sidentschaft gewann, sah Moskau darin mehr als nur einen innenpolitischen Machtwechsel im Nachbarland. Nach der Orangenen Revolution 2004 strebte die Ukraine unter PrĂ€sident Juschtschenko eine Integration in den Westen an. Moskau sah darin eine Bedrohung: Die westliche UnterstĂŒtzung fĂŒr die ukrainische Zivilgesellschaft galt aus russischer Sicht nicht als Demokratiehilfe, sondern als Einflussnahme in einem Land, das Russland zu seiner InteressensphĂ€re zĂ€hlte. Das wurde bestĂ€tigt, als 2014 mit den Demonstrationen von Oppositionellen auf dem „Platz der UnabhĂ€ngigkeit“ (Majdan Nesaleschnosti) gegen die Regierung der Sturz des eher moskaufreundlichen PrĂ€sidenten Viktor Janukowytsch bewirkt wurde. 

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https://de.wikipedia.org/wiki/Euromaidan#/media/Datei:Independence_square_during_clashes_in_Kyiv,_Ukraine._Events_of_February_19,_2014.jpg

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Eskalation der Proteste im Januar 2014

Janukowytsch hatte zuvor ein fertig ausgehandeltes Assoziierungsabkommen mit der EU, das der Ukraine gĂŒnstige Kredite und niedrige Gaspreise angeboten hatte, nicht unterzeichnet. Dies wurde zum Anlass fĂŒr Massenproteste in Kiew. Zehntausende versammelten sich auf dem zentralen UnabhĂ€ngigkeitsplatz, dem Maidan, und forderten die europĂ€ische Integration. Im Januar 2014 eskalierten die Proteste. ScharfschĂŒtzen erschossen ĂŒber hundert Demonstranten. Wer die SchĂŒtzen befehligte, ist bis heute umstritten. Der PrĂ€sident floh schließlich nach Russland und die Opposition ĂŒbernahm die Macht. Aus russischer Sicht war dies ein inszenierter, von westlichen Medien, Regierungen und Geheimdiensten unterstĂŒtzter Putsch, denn Janukowytsch war demokratisch gewĂ€hlt. Gerade die IllegalitĂ€t dieser Ereignisse in Kiew rechtfertigte dann fĂŒr die russische Regierung die anschließende Annexion der Krim und die UnterstĂŒtzung der Separatisten im Donbass.

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Quelle

Ukraine: Haben die Amis den Maidan gekauft?

Wie stark mischt sich die USA in die StaatsgeschÀfte der Ukraine ein?
 Hier geht's zum Artikel.

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Öffentliche Berichterstattung ĂŒber Victoria Nulands abfĂ€llige Äußerung
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OriginalgesprĂ€ch am Telefon mit Übersetzung


Was niemand sagt: Russland braucht die Wirtschaftskraft der Ukraine

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Urheber: Macs24

https://de.wikipedia.org/wiki/Motor_Sitsch#/media/Datei:Motor_Sich_building_2011.jpg

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Sitz der Firma "Motor Sitsch" – einer der wichtigsten ukrainischen Produzenten von Triebwerken fĂŒr russische Kampfhubschrauber

Die Ukraine war die zweitwichtigste Wirtschaftskomponente der Sowjetunion und produzierte 17 Prozent der sowjetischen Industrieproduktion und 21 Prozent der landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Besonders bedeutsam war die RĂŒstungsindustrie: Die Ukraine produzierte etwa die HĂ€lfte aller sowjetischen Panzer und Raketen und erbte bei der Auflösung der Sowjetunion etwa 30 Prozent der sowjetischen RĂŒstungsindustrie, darunter rund 750 Fabriken und 140 wissenschaftlich-technische Institute.

Die Verflechtung blieb nach der UnabhĂ€ngigkeit bestehen: Das russisch-ukrainische Handelsvolumen im RĂŒstungsbereich umfasste 7.000 bis 8.000 verschiedene Produkte, und 1.330 Unternehmen waren an der Zusammenarbeit beteiligt. Das Gesamtvolumen russischer Zivil- und MilitĂ€rauftrĂ€ge an ukrainische Unternehmen betrug 2014 etwa 15 Milliarden Dollar – das entsprach 8,2 Prozent des ukrainischen BIP.  Eine Wirtschaft, die sich nach Westen ausrichtete, konnte sich Russland nicht leisten. Es versucht mit dem Krieg, Wirtschaft und Ressourcen der Ukraine an sich zu binden.

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Wladimir Putin bezeichnet ab Minute 1:57 die Ukraine als "ganz und gar von Russland geschaffen"
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Quelle

Zur historischen Einheit von Russen und Ukrainern - ein historischer Aufsatz von W. Putin

Hinweis: Der folgende Text stammt aus einem Aufsatz, den der russische PrÀsident Wladimir Putin am 12.6.2021 veröffentlichte. In diesem Text versucht Putin historisch herzuleiten, dass es sich bei Ukrainern und Russen (und Belarussen) um ein und dasselbe Volk handele.

Als ich kĂŒrzlich [...] nach den russisch-ukrainischen Beziehungen gefragt wurde, sagte ich, dass Russen und Ukrainer ein Volk sind – ein einziges Ganzes. Diese Worte wurden nicht von kurzfristigen ErwĂ€gungen getrieben oder vom aktuellen politischen Kontext veranlasst. [...]

Russen, Ukrainer und Weißrussen sind alle Nachkommen der alten Rus, dem grĂ¶ĂŸten Staat Europas. Slawische und andere StĂ€mme auf dem riesigen Territorium – von Ladoga, Nowgorod und Pskow bis nach Kiew und Tschernigow – waren durch eine Sprache (die wir heute als Altrussisch bezeichnen), wirtschaftliche Bindungen und die Herrschaft der FĂŒrsten der Rurik-Dynastie miteinander verbunden, und – nach der Taufe von Rus – der orthodoxe Glaube. Die geistliche Wahl des hl. Wladimir, der sowohl FĂŒrst von Nowgorod als auch GroßfĂŒrst von Kiew war, bestimmt noch heute weitgehend unsere Zugehörigkeit. [...]

Am wichtigsten ist, dass die Menschen in den westlichen und östlichen russischen LÀndern dieselbe Sprache sprachen. Ihr Glaube war orthodox. Bis Mitte des 15. Jahrhunderts blieb die einheitliche Kirchenregierung in Kraft. [...]

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Darstellung

Warum Putin sich nicht mit dem Zerfall der Sowjetunion abfinden will.

All diese Sowjetrepubliken wurden auf Territorien gegrĂŒndet, die 1914, vor dem Ersten Weltkrieg, noch zum russischen Zarenreich gehört hatten. Die GrĂŒndung all dieser neuen Sowjetrepubliken verkleinerte das Territorium des ĂŒbrig bleibenden russischen Territoriums also erheblich. Die russische Sowjetrepublik war zwar die mit Abstand grĂ¶ĂŸte Republik der Sowjetunion, sie war aber erheblich kleiner als das alte Russische Reich. FĂŒr Putin wurden mit der GrĂŒndung all dieser Sowjetrepubliken also riesige Landesteile aus Russland herausgetrennt und zu eigenen Staaten gemacht.

Solange die Sowjetunion bestand, fiel das nicht wirklich auf. Denn die Teilrepubliken wurden ja faktisch alle von der Kommunistischen Partei in Moskau regiert. Als die Sowjetunion allerdings 1991 aufgelöst wurde, fiel das ganze System auseinander: Übrig blieb ein russischer Staat, der erheblich kleiner als das frĂŒhere Zarenreich war und viele nun tatsĂ€chlich unabhĂ€ngige Staaten.

Lukas Epperlein

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22

Aufgabe

Argumente prĂŒfen

Setze dich mit der Behauptung auseinander, dass Russland und die Ukraine historisch zusammengehören, die Wladimir Putin in der Quelle E 13 Ă€ußert.
Nutze dafĂŒr auch das Kapitel 10.1

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FĂŒr Russland verdichten sich viele Ursachen – Gefahr war im Verzug - Russlands offizielle KriegsbegrĂŒndungen

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Russland bezeichnet den Angriff als "militĂ€rische Spezialoperation" und nennt mehrere direkte GrĂŒnde, die ein Eingreifen unumgĂ€nglich machten:

"Entnazifizierung"

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Russland behauptet, die Ukraine werde von einem "Nazi-Regime" beherrscht, das die russischsprachige Bevölkerung unterdrĂŒcke. Moskau verweist auf rechtsextreme Gruppen wie das Asow-Regiment und stilisiert den Krieg als Fortsetzung des Kampfes gegen den Faschismus im Zweiten Weltkrieg.

"Demilitarisierung"

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Die zunehmende militĂ€rische Zusammenarbeit der Ukraine mit NATO-Staaten und die AufrĂŒstung der ukrainischen Armee stellten laut Moskau eine wachsende Bedrohung dar. Russland mĂŒsse verhindern, dass westliche Waffen und NATO-Infrastruktur direkt an seiner Grenze stationiert werden.

Schutz der Bevölkerung im Donbass

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Russland wirft der Ukraine vor, seit 2014 einen "Genozid" an der russischsprachigen Bevölkerung in den Separatistengebieten verĂŒbt zu haben. Die Anerkennung der "Volksrepubliken" Donezk und Luhansk unmittelbar vor dem Einmarsch diente als Grundlage fĂŒr ein angebliches Hilfeersuchen, das die Intervention rechtfertigen sollte.

Verhinderung des NATO-Beitritts

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Die NATO-Erweiterung und die Weigerung des Westens, verbindlich auf eine Aufnahme der Ukraine zu verzichten oder auf den russischen Forderungskatalog vor Beginn des Kriegs einzugehen, habe Russland keine andere Wahl gelassen.

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Erweiterung

TruppenaufmÀrsche vor Beginn des Krieges

Schon seit 2021 begann Russland mit TruppenaufmĂ€rschen, vorgeblich zunĂ€chst als Reaktion auf eines der grĂ¶ĂŸten NATO-Manöver in Europa seit Jahrzehnten. Dieses Manöver "Defender-Europe 2021" fand in der Ukraine statt. Soldaten und Technik aus 27 Staaten war beteiligt. Insgesamt waren es 28.000 Soldaten.

Russland verlegte Truppen an seine Westgrenze, insgesamt etwa 80.000 Soldaten. Im Oktober 2021 begann eine zweite Phase des russischen Aufmarschs 2021. Anfang Februar waren es etwa 200.000 Soldaten. Hinzu kamen Munitionslager, Feldlazarette und Sicherheitsdienste.

Marcus Ventzke

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Aufgabe

Beurteile: Berechtigen all die von Russland vorgebrachten 'GrĂŒnde' den Beginn des Krieges?

Nutze dazu auch die Festlegung in der Charta der Vereinten Nationen:
"Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische UnabhÀngigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit den Zielen der Vereinten Nationen unvereinbare Androhung oder Anwendung von Gewalt."
(UN-Charta, Artikel 2, Absatz 4)

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Arrc

Der militÀrische Verlauf aus russischer Perspektive

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Phase 1 Phase 2 Phase 3 Phase 4

Phase 1: "Erfolgreiche Entnazifizierung" (Februar–MĂ€rz 2022)

Die russische Propaganda stellte den RĂŒckzug aus dem Raum Kiew nicht als militĂ€risches Scheitern dar, sondern als "Geste des guten Willens" im Rahmen von Friedensverhandlungen. Die eigentlichen Ziele seien ohnehin der Donbass und der SĂŒden gewesen. Die hohen Verluste der ersten Wochen wurden verschwiegen oder drastisch heruntergespielt.

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https://de.wikipedia.org/wiki/Brigade_Asow#/media/Datei:Azov_-_Mariupol.jpg

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Angehörige des Asow-Regiment zeigen ihre Fahrzeuge in Mariupol (2016). Die Fahrzeuge vom Typ "KrAZ Shrek One" wurden von einer ukrainischen Firma zusammen mit einer Firma produziert, die in Kanada und den Vereinigten Arabischen Emiraten ansÀssig ist.
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Urheber: Carl RidderstrÄle

https://de.wikipedia.org/wiki/Brigade_Asow#/media/Datei:Soldiers_in_front_of_building_with_swastika.jpg

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Angehörige des Bataillons Asow im Sommer 2014 auf einem ihrer StĂŒtzpunkte. Am GebĂ€ude sind eine Hakenkreuzfahne und die Fahne der Ukrainischen AufstĂ€ndischen Armee (UPA) zu sehen, die 1942 gegrĂŒndet wurde und wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs zeitweise mit dem nationalsozialistischen Deutschland kooperierte.
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Urheber: Carl RidderstrÄle

https://de.wikipedia.org/wiki/Brigade_Asow#/media/Datei:Donbass_villagers_rounded_up_for_interrogation.jpg

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Soldaten des Regiments Asow verhören Dorfbewohner in der NÀhe von Mariupol, 5. Juli 2014

Die Entdeckungen von Butscha

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Urheber: National Police of Ukraine

https://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Butscha#/media/Datei:Bucha_after_Russian_occupation_(06).jpg

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Die ukrainische Polizei untersuchte die Folgen der russischen Besatzung im Oblast Kiew. Das Bild zeigt von russischen Truppen getötete Einwohner der Stadt Butscha. Die Leichen wurden aus einem Massengrab exhumiert.

Als Bilder von ermordeten Zivilisten in Butscha um die Welt gingen, reagierte Moskau mit kategorischer Leugnung: Die Aufnahmen seien "inszeniert", die Leichen von ukrainischen Geheimdiensten platziert worden, um Russland zu diskreditieren. Diese Darstellung wurde beibehalten, obwohl Satellitenbilder die Leichen bereits wÀhrend der russischen Besatzung zeigten.

Nach dem Abzug der russischen Truppen sind in der ukrainischen Stadt Butscha viele tote Zivilisten gefunden worden. Ex-NATO-General Erhard BĂŒhler erwartet, dass es demnĂ€chst aus Mariupol Ă€hnliche Bilder geben könnte.
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https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:d539627ff690f43d/

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Phase 2: "Befreiung des Donbass" (2022)

Die Einnahme von Mariupol wurde als großer Sieg gefeiert – insbesondere die Kapitulation der Verteidiger im Stahlwerk Asowstal, die als "Nazis" bezeichnet wurden. Die vollstĂ€ndige Zerstörung der Stadt und die zivilen Opfer blieben in russischen Medien weitgehend unerwĂ€hnt oder wurden der Ukraine angelastet.

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CBS-Filmbericht ĂŒber den Wiederaufbau Mariupols durch Russland – oftmals wird daraus in russischen Medien Propaganda ĂŒber die wirtschaftliche Kraft und Menschenfreundlichkeit Russlands gemacht.
Über 200 ukrainische Soldaten verlassen das belagerte Asow-Stahlwerk, die ukrainische Armee erzielt Erfolge bei Charkiw und welche Bedeutung hat die umkĂ€mpfte Schlangeninsel? EinschĂ€tzungen von Ex-General Erhard BĂŒhler.
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https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:e13a8b0ee1ebfa99/

Arrc

Die ukrainischen Gegenoffensiven

Den Verlust großer Gebiete bei Charkiw im September 2022 erklĂ€rte das Verteidigungsministerium als "Umgruppierung" zur StĂ€rkung anderer Frontabschnitte. Die Aufgabe Chersons im November – der einzigen eroberten Regionalhauptstadt – wurde als "schwierige, aber richtige Entscheidung" prĂ€sentiert, um Soldatenleben zu schonen.

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MilitÀr-Blog "Macronomist": "Russen verlieren die Westseite der Oblast Cherson, Ukrainer befreien erste StÀdte!"

Phase 3: "ZermĂŒrbung des Feindes" (2023–2024)

Die monatelangen, verlustreichen KĂ€mpfe um StĂ€dte wie Bachmut wurden in russischen Medien als strategisch entscheidende Schlachten dargestellt. Der enorme Blutzoll – Zehntausende Tote, darunter viele HĂ€ftlinge der Wagner-Gruppe – wurde heruntergespielt. Stattdessen betonte man die angeblich noch höheren ukrainischen Verluste.

Das Scheitern der ukrainischen Sommeroffensive 2023 nutzte die Propaganda, um westliche Waffenlieferungen als wirkungslos darzustellen und die "Überlegenheit" der russischen Verteidigung zu betonen.

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ARD-Bericht ĂŒber die Probleme der ukrainischen Armee, Soldaten zu rekrutieren. Oftmals werden junge Leute regelrecht gejagt und mit Gewalt zum Kampf an die Front geschickt
Zu hohe Erwartungen an die Offensive? Die ukrainische Offensive stockt. Der ukrainische Oberbefehlshaber kritisiert, viele hÀtten zu hohe Erwartungen. Dabei liefere der Westen zu wenig Waffen. Und: Ein Panzer-Reparatur-Hub und ein deutsch-polnischer Streit.
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https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:70471f00b5bc2ce9/

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Phase 4: "Unaufhaltsamer Vormarsch" (2024–2025)

Den ukrainischen Vorstoß nach Kursk im August 2024 stellte die Propaganda zunĂ€chst als unbedeutend dar, spĂ€ter als "terroristischen Überfall" auf russisches Territorium. Der langsame russische Vormarsch im Donbass wird als stetiger, unaufhaltsamer Erfolg prĂ€sentiert.

PrĂ€sident Putin behauptet regelmĂ€ĂŸig, russische Truppen wĂŒrden "entlang der gesamten Frontlinie vorrĂŒcken" – was nicht den Tatsachen entspricht. Die tatsĂ€chlich minimalen GelĂ€ndegewinne von wenigen Quadratkilometern pro Woche werden als großer Erfolg gefeiert.

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Bericht von Buzz Plus: Russische Truppen rĂŒcken in die Stadt Pokrowsk ein (November 2025)
Phase 1 Phase 2 Phase 3 Phase 4
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Methodenhinweis zur Ideologiekritik

Hinweis fĂŒr den Unterricht: Merkmale der russischen Kriegspropaganda

FĂŒr die Propaganda werden immer wieder Formulierungen gefunden, die Verbrechen vertuschen und verbrecherische Taten rechtfertigen sollen. Dazu benutzt man zum Beispiel folgende Methoden:

  1. TĂ€ter-Opfer-Umkehr: Russland als Verteidiger, Ukraine als Aggressor
  2. Kategorische Leugnung: Kriegsverbrechen werden als FĂ€lschungen abgetan
  3. Umdeutung von Niederlagen: RĂŒckzĂŒge werden zu "Gesten des guten Willens"
  4. Dehumanisierung: Ukrainer als "Nazis", ukrainische Soldaten als "DrogenabhÀngige"
  5. Informationskontrolle: Keine unabhÀngige Berichterstattung, Zensur sozialer Medien
  6. WidersprĂŒchliche Narrative: Gleichzeitig "keine Verluste" und "heldenhafter Kampf"

Marcus Ventke, Digitale Lernwelten GmbH

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Aufgabe

Ideologie erkennen

  1. Die Überschriften zu den Phasen des Krieges stammen aus der russischen Propaganda. Setze dich kritisch mit ihnen auseinander.
  2. Ordne die Aussagen in den Überschriften den Propaganda-Methoden in Element 41 zu.
  3. BegrĂŒnde die Zuordnung.

Zusammenfassung: Die russische Perspektive

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