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3.2 Rassistische Ideologien: Deutsche als "Herrenmenschen"

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Urheber: Jos43 at Dutch Wikipedia; Videoeffects: Mag. Roland Hartmann @rh@graphicinmotion.com

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Arno_Breker_Der_Sieger_(1939).jpg

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Hitlers Ideologie der Herrenrasse: Die  sogenannte 'arische Rasse' als angeblich einzig wertvolle und schöpferische Menschengruppe

3.2 Rassistische Ideologien: Deutsche als "Herrenmenschen"

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Dem Anspruch auf Weltherrschaft, den die Nationalsozialisten für sich formulierten, lag eine Ideologie zu Grunde: der Rassismus. Wir haben uns in Kapitel 1.4 schon einmal mit Rassismus beschäftigt. Der Rassismus der Nationalsozialisten ging aber über den 'allgemeinen', zu ihrer Zeit verbreiteten Rassismus hinaus. Was machte ihn so besonders?

1. Erinnerung und Vertiefung: Rassistische Ideologien

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Aufgabe

Bildbeschreibung

  1. Beschreibe das Bild.
  2. Erkläre, woran man rassistische Ideologien erkennen kann.
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© Digitale Lernwelten GmbH. Zur Verwendung im Unterricht freigegeben.

Arrc
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2. Die "Herrenmenschen"

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Die Vorstellung, Menschen in sogenannte Rassen einzuteilen, gibt es schon seit dem 16. Jahrhundert. Sie entstand im Zuge der Kolonialisierung. Afrikanische Menschen wurden versklavt, vergewaltigt und ermordet. In Europa wurden diese Taten damit gerechtfertigt, dass die Menschen dort „minderwertig“ und weniger „entwickelt" seien.

Die Nationalsozialisten vertraten auch diese Einteilung der Menschen in Rassen und wollten die Welt nach ihren rassistischen Ideen neu ordnen. Natürlich betrachteten sie sich selbst dabei als überlegene "Herrenrasse" und Deutsche, oder wie sie sagten, "Arier", als "Herrenmenschen".

Sieh dir dazu folgendes Video an:

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NS-Ideologie I Nationalsozialismus I musstewissen Geschichte
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NS-Ideologie: Deutsche als Herrenmenschen

"Arier" und "Nichtarier"

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Urheber: Will Manley

https://www.flickr.com/photos/holepunch/4551032623

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arische Idealbilder Nationalsozialisten

Die Nationalsozialisten teilten die Menschen in "Arier" und "Nichtarier". Die "Arische Rasse" wurde von ihnen als höchstwertige und einzige kulturschöpferische Rasse angesehen. Der "Arier" galt als das Idealbild des Menschen schlechthin, er bildete für die Nationalsozialisten die zu Herrschen bestimmte "Herrenrasse". Dem gegenüber stellten die Nationalsozialisten die Juden und die waren in ihrer Ideologie all das negative Gegenteil des "Ariers". Aber nicht nur Juden, sondern alle anderen Rassen galten den Nationalsozialisten als "minderwertig". Einige wurden geduldet, andere hingegen mussten nach Ansicht der Nationalsozialisten ausgegrenzt, unterdrückt und letztendlich vernichtet werden.

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Darstellung

"Untermenschen" in den Augen der Nationalsozialisten

Der schreckliche Begriff "Untermensch" wurde von den Nationalsozialisten sowohl für in ihren Augen "minderwertige Rassen" als auch für Einzelpersonen und Personengruppen verwendet, die ihrer Meinung nach dem Menschenbild des idealen Ariers zuwiderliefen.

  • als "minderwertigen Rassen" wurden neben den Juden auch die Slawen, Sinti und Roma sowie alle Menschen afrikanischen Ursprungs angesehen.
  • aber auch Deutsche konnten in den Augen der Nationalsozialisten zu "Untermenschen" werden: soziale Randgruppen wie Obdachlose und Bettler, Homosexuelle, chronisch Kranke, Menschen mit Behinderung und politische Gegner. 

Lukas Epperlein

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Quelle

Der Sprachwissenschaftler Victor Klemperer in seinem Tagebuch über den Begriff des "Untermenschen"

Hinweis: Victor Klemperer (1881-1960) stammte aus einer deutschen jüdischen Familie. Obwohl er selbst 1912 zum evangelischen Christentum konvertierte, galt er damit in den Augen der Nationalsozialisten als Jude. 1933 Arbeitete Klemperer als Professor für Romanistik in Dresden. Er führte die gesamte NS-Herrschaft hindurch sehr ausgiebig Tagebuch. Aus diesem Tagebuch stammt auch der folgende Text.

26. Dezember (1940). [...] Man wird die meisten neuen Worte vereinzelt schon lange vor ihrer Neuheit finden. [...] Aber das tut ihrer Neuheit keinen Abbruch. Sie sind neu in dem Augenblick, wo sie als Ausdruck einer neuen Gesinnung oder neuen Sache auftauchen und in Mode kommen. Insofern ist Untermensch doch ein spezifisches und neues Wort in der Sprache des Dritten Reiches.

Victor Klemperer, LTI Notizen eines Philologen, Stuttgart (Reclam) 2018, S. 58.

Der "Ariernachweis"

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https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ahnenpass_002_anonym.png

PD

Der Ariernachweis ist ein Beispiel für die Folgen der nationalsozialistischen Rassenlehre in ihrer Politik. Schon 1933 führten die Nationalsozialisten einen sogenannten "Abstammungsnachweis" oder "Ahnenpass" ein. Mit diesen mussten Beamte und öffentliche Angestellte nachweisen, dass sie von "Ariern" abstammten. Wenn sich unter ihren Eltern und Großeltern ein Jude befand, konnten sie entlassen werden. 

Mehr zur Rassenpolitik der Nationalsozialisten erfährst du im Kapitel über den Holocaust.

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Quelle

Der Sprachwissenschaftler Victor Klemperer in seinem Tagebuch über die Auswirkungen des Ariernachweises

Hinweis: Victor Klemperer (1881-1960) stammte aus einer deutschen jüdischen Familie. Obwohl er selbst 1912 zum evangelischen Christentum konvertierte, galt er damit in den Augen der Nationalsozialisten als Jude. 1933 Arbeitete Klemperer als Professor für Romanistik in Dresden. Er führte die gesamte NS-Herrschaft hindurch sehr ausgiebig Tagebuch. Aus diesem Tagebuch stammt auch der folgende Text.

10 Oktober (1933). [...] Tyrannei und Unsicherheit wachsen mit jedem Tage. Entlassungen im verjudeten Kreis der Fachkollegen. Olschki in Heidelberg, Friedmann in Leipzig, Spitzer in Marburg, Lerch, der ganz arische Lerch, in Münster, weil er "mit einer Jüdin im Konkubinat" lebe. Der blonde und blauäugige Hatzfeld, der fromme Katholik, fragte mich ängstlich an, ob ich noch im Amt sei. In meiner Antwort wollte ich wissen, wieso er für seine, doch gänzlich unsemitische Person Befürchtungen hege. Er schickte mir den Sonderdruck einer Studie; unter seinem Namen stand mit Tinte: "Herzliche Grüße - 25%."

Konkubinat: nicht-eheliche Liebesbeziehung

Victor Klemperer, LTI Notizen eines Philologen, Stuttgart (Reclam) 2018, S. 46.

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Aufgabe

Ariernachweis

Stell dir vor, in der heutigen deutschen Gesellschaft würde ein "Abstammungsnachweis" eingeführt werden. Wer einer staatlichen Arbeit nachgehen wollte (öffentlicher Dienst, Beamter) müsste nachweisen, dass er in den letzten beiden Generationen nur von Deutschen abstammt.

  • Schätze, wieviele Menschen im heutigen Deutschland das betreffen würde. Diskutiert eure Zahlen untereinander. 
  • Erkläre den Unterschied zwischen einer Staatsbürgerschaft als Voraussetzung für bestimmte Rechte oder Berufe und einem "Abstammungsnachweis".
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Urheber: Jos43 at Dutch Wikipedia

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Arno_Breker_Der_Sieger_(1939).jpg

Cc2BYSA

Der Bildhauer Arno Breker (1900-1991) war bei den Nationalsozialisten sehr beliebt und erhielt viele Aufträge. Arno Breker, Der Sieger (1939)

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Urheber: Werner Rittich

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Statue_by_Arno_Breker,_Berlin_1938.jpeg

PD

Arno Breker, Die Partei (1938)

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Aufgabe

Bildanalyse

  1. Beschreibe, was du auf den beiden Fotos in der Galerie oben siehst.
  2. Erläutere, wie die Person auf den Bildern dargestellt wird. (Mimik, Haltung, Gestik)
  3. Interpretiere die Statuen in Bezug auf das Konzept der "Herrenrasse".

3. Ein "Volk ohne Raum"?

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Die Nationalsozialisten sahen die Deutschen als ein "Volk ohne Raum". 1926 hatte der nationalistische Autor Hans Grimm einen Roman mit diesem Titel geschrieben und die Nationalsozialisten übernahmen den Titel als Slogan. Dieser beinhaltete die Vorstellung, dass den Deutschen seit Ende des Ersten Weltkriegs (in dem sie Teile des Reichsgebiets und ihre Kolonien verloren hatten) zu wenig Land zum Überleben verblieben wäre. Sprich, "das Deutsche Volk sei zu groß für das bisschen Land, das es bewohne". 

Die Konsequenz daraus war für die Nationalisten, dass die Deutschen das Recht hätten, fremdes Land, sogenannten "Lebensraum", zu erobern, um ihr eigenes Überleben zu sichern. Mit dem Slogan "Volk ohne Raum" legitimierten die Deutschen somit den Eroberungskrieg im Osten. 

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Quelle

Der hohe NS-Politiker und 'Reichsernährungsminister' Walther Darré über die deutschen Eroberungspläne

Der natürliche Siedlungsraum des deutschen Volkes ist das Gebiet östlich unserer Reichsgrenze bis zum Ural, im Süden begrenzt durch Kaukasus, Kaspisches Meer, Schwarzes Meer und die Wasserscheide, welche das Mittelmeerbecken von der Ostsee und der Nordsee trennt. In diesem Raum werden wir siedeln, nach dem Gesetz, daß das fähigere Volk immer das Recht hat, die Scholle eines unfähigeren Volkes zu erobern und zu besitzen.[…] Ein solches politisches Ziel muß auf den deutschen Bauernhöfen von Mund zu Mund weitergereicht werden, muß auf unseren Bauernschulen eine selbstverständliche Grundlage des Unterrichts sein. Dann wird auch eines Tages das Volk demjenigen Staatsmann folgen, der die sich ihm bietenden Möglichkeiten ergreift, um unserem Volke ohne Raum den Raum nach dem Osten zu öffnen.

Adam Tooze: Ökonomie der Zerstörung. München 2008, S. 238.

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Das Deutsche Reich und Hitlers Vorstellungen vom Lebensraum im Osten
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Aufgabe

große Pläne

  1. Sieh dir die obenstehende Grafik an.
  2. Die erste Grafik zeigt das Deutsche Reich zur NS-Zeit. Wenn du den Slider nun ganz nach links schiebst, siehst du auf der zweiten Grafik, wie das deutsche Großreich unter Hitlers Vorstellungen des Lebensraumes im Osten ausgesehen hätte. Welche Staaten wären davon betroffen gewesen?
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Aufgabe

Der sogenannte Lebensraum im Osten

Die Nationalsozialisten nahmen sich für die Deutschen als "Herrenrasse" also das Recht heraus, sich diesen Lebensraum im Osten zu nehmen. Ziel war es, die Bevölkerung zu vergrößern und diese auch mit den notwendigen Ressourcen versorgen zu können. Des Weiteren würde es dem Deutschen Reich auch bei der Etablierung eines Weltmachtstatus helfen.

  1. Sieh dir den Videoausschnitt unterhalb an.
  2. Beschreibe das Konzept des Lebensraumes im Osten.
  3. Erkläre die Problematik, welche dahinter steckt.
NS-Ideologie I Nationalsozialismus I musstewissen Geschichte
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Der Lebensraum im Osten

Zusammenfassung: Rassistische Ideologie

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