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1.4 Konjunktur rassistischer und politischer Ideologien

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Am besten hält man zusammen, wenn man sich von jemandem abgrenzen kann.

1.4 Konjunktur rassistischer und politischer Ideologien

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Aus der Masse eine Gemeinschaft machen, den¬†Menschen ein Gef√ľhl von Zugeh√∂rigkeit geben ‚Äď klingt so als w√§re der Nationalismus eine sch√∂ne und segensreiche Sache. Aber wir haben schon in Kapitel 1.2 angedeutet, dass der Nationalismus nicht nur Zusammengeh√∂rigkeit, sondern auch Ablehnung und Ausgrenzung schuf. In diesem¬†Kapitel sehen wir uns an, wie der Nationalismus im 19. Jahrhundert Feindschaft gegen vermeintlich 'Fremde' anstachelte und verst√§rkte, um zu einer m√§chtigen politischen Bewegung zu werden.¬†

Wichtige Vorbemerkung: Wir werden in diesem Kapitel Antisemitismus und Rassismus behandeln. Dabei ist es wichtig, von Anfang an klar zu machen, dass es sich hierbei um Vorstellungen handelt, die nicht auf Tatsachen, sondern auf Vorurteilen und Hass aufbauen. Wir werden uns trotzdem mit diesen Vorstellungen beschäftigen, erstens weil sie echte Auswirkungen auf des Leben von Menschen gehabt haben und weiterhin haben und zweitens, weil sie bis heute existieren und jeder in der Lage sein sollte, diese Vorstellungen als das zu erkennen, was sie sind.

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Aufgabe

Wiederholung mit L√ľckentext

Du kannst dich bestimmt noch an den Begriff Nation und Nationalismus aus Kapitel 1.1 und 1.2 erinnern, oder? √úberpr√ľfe hier nochmal dein Wissen, bevor wir mit den Auswirkungen des Nationalismus beginnen.

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Darstellung

Wiederholung: Aus der Masse eine Gemeinschaft

Der Nationalismus erlebte seinen großen Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts. Eine wichtige Rolle spielte hierbei sicher das Gleichheits- und Partizipationsversprechen, welches die Nation dem Volk versprach. Dies verhalf dem Nationalismus nicht nur in Deutschland zu seinem Aufstieg.

Die Menschen hatten nun aber auch Forderungen an den Nationalismus, n√§mlich forderten sie das Recht auf Selbstbestimmung, das Recht auf einen eigenen, souver√§nen und unabh√§ngigen Staat sowie ethnische Zugeh√∂rigkeit. Dies wurde ausschlaggebend f√ľr eine potentielle Nation und zu ihrem wichtigsten Prinzip. Die Forderung nach nationaler Einheit wurde immer gr√∂√üer. Aus der durch die Industrialisierung entstandenen Menschenmasse formte sich nun eine Gemeinschaft. Eine Gemeinschaft, die sich als zusammengeh√∂rig betrachtete und die sich durch ein Zugeh√∂rigkeitsgef√ľhl miteinander verbunden f√ľhlte. Der Nationalismus schaffte somit aus einzelnen Individuen eine Gemeinschaft.

Marina Herischko

1. Auswirkungen des Nationalismus

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exklusion-ausgrenzung-ausschluss
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Urheber: Zuckerschneggle

https://pixabay.com/de/illustrations/exklusion-ausgrenzung-ausschluss-5989784/

PD

Gruppenbildung durch Ausschluss Anderer: Die eigene Gruppe wird stabiler und besser erkenntlich, wenn eine klare Grenze zu denen, die nicht zur Gruppe gehören, gezogen wird.

Der Aufschwung des Nationalismus im 19. Jahrhundert blieb¬†nicht ohne Folgen. Die immer st√§rker werdende Forderung nach einer nationalen Einheit und die Betrachtung der eigenen Nation als √ľberlegen f√ľhrten dazu, dass fremde V√∂lker und Nationen weder als¬†gleichwertig angesehen noch so behandelt wurden. Andere Nationen wurden herabgesetzt und ausgegrenzt. Eine einheitlich gedachte¬†Gemeinschaft setzt Inklusion voraus. Es gibt aber keine Inklusion ohne Exklusion. Somit gibt es keinen Nationalismus ohne Ausgrenzung. Oder in¬†anderen Worten: Ohne Ausgrenzung hat der Glaube an die angeblich besondere Bedeutung der (eigenen)¬†Nation kaum eine¬†Bedeutung. Menschen, die die eigene Nation √ľberbetonen, grenzen die¬†eine Nation von anderen Nationen ab. Die¬†eigene Nation betrachten sie als die oberste und die beste¬†Nation. Es gibt dann in der Vorstellung von Nationalisten sehr schnell¬†minderwertige Menschen anderer Nationalit√§t¬†und oftmals setzt¬†eine¬†Unterdr√ľckung von Minderheiten im eigenen Land ein.¬†

Heute k√∂nnen wir uns ein Leben ohne Gemeinschaft nicht vorstellen. F√ľr die Entstehung der nationalen Gemeinschaft unserer¬†Gegenwart ist des Streben nach einheitlichen Nationen und Staaten des¬†19. Jahrhunderts¬†auch mitverantwortlich. Durch die Industrialisierung wurden Menschen immer mehr als Massen gesehen. Der Einzelne wurde vor allem¬†in einer Gruppe wahrgenommen: in der Gruppe der Arbeiter zum Beispiel. In der Gruppe der Nation¬†galten gemeinsame Wurzeln, Interessen und das Gemeinschaftsgef√ľhl sehr viel. Der Nationalismus kam¬†in vielen Gef√ľhlen und Symbolen zum Ausdruck. Ein Gef√ľhl von Zugeh√∂rigkeit und Zusammenhalt ‚Äď vor allem¬†das bot der Nationalismus den Leuten. Und die viele¬†Nationalisten des 19. Jahrhundert nutzten die Gef√ľhle aus, um Fremdenhass zu sch√ľren.¬†Sie wendeten die Idee der Nation gegen andere V√∂lker und andere Nationen.¬†Diese Ausgrenzung und Unterdr√ľckung f√ľhrte zu Rassismus und Antisemitismus.

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Aufgabe

Auswirkungen des Nationalismus

  1. Ordne die Auswirkungen des Nationalismus unten richtig zu.
  2. Erkläre die zwei Seiten der Auswirkungen des Nationalismus in eigenen Worten.

2. Nationalismus und Antisemitismus

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Urheber: Oscar Begas

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Leopold_Ullstein_by_Oscar_Begas,_1882.jpg

PD

Leopold Ullstein (1826-1899), einer der erfolgreichsten deutschen Verleger, beschäftigte bis zu 1600 Mitarbeitern und war Jude.

Weit verstreute j√ľdische Gemeinden gab es im R√∂mischen¬†Reich schon seit der Antike. W√§hrend des Mittelalters verbreiteten sie sich durch Zuzug und gezielte¬†Ansiedlung auch im mitteleurop√§ischen Raum. Juden hatten dabei immer einen 'Sonderstatus'. Sie hatten andere (meist weniger) Rechte als ihre christlichen Nachbarn, durften bestimmte Berufe nicht aus√ľben,¬†mussten in bestimmten Gebieten leben (Judengassen und -viertel), 'Mischehen' mit Christen waren verboten. Oftmals waren sie auch Verfolgungen, Vertreibungen¬†und Gewalt ausgesetzt.¬†
Das √§nderte sich in den Nationalstaaten. Zuerst in Frankreich nach der Revolution, sp√§ter auch in Deutschland. Nach der Reichsgr√ľndung von 1871 wurden die Juden rechtlich gleichgestellt. Es gab (offiziell) keinen¬†Sonderstatus mehr. War der Nationalismus also ein Freund der Juden?¬†¬†

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Darstellung

Juden sind Teil der Nation!

Viele Juden selbst betrachteten sich durchaus¬†als Teil ihrer Nation. Sie¬†k√§mpften aktiv f√ľr ihre politische Gleichstellung.¬†Franz√∂sische Juden sahen Frankreich als ihr Vaterland und deutsche Juden Deutschland. Sicher, im Glauben und in einigen Alltagsbr√§uchen unterschieden sie sich von ihren christlichen Nachbarn, aber zwischen Katholiken, Protestanten und Atheisten gab es auch Unterschiede, dennoch konnten alle zur gleichen Nation geh√∂ren. Die Idee der Nation hatte f√ľr die Juden einen gro√üen Vorteil: Sie √ľberwand das Denken der alten Zeit, in der es um religi√∂se Differenzen und Standesunterschiede gegangen war.¬†Dieses Denken hatte die Juden immer ausgegrenzt. Die Idee, dass jeder, der Deutsch spricht und sich zur deutschen Nation bekennt, Teil der Nation ist, stie√ü f√ľr die deutschen Juden eine T√ľr auf. Denn sie sprachen Deutsch und die meisten von ihnen¬†bekannten sich zur deutschen Nation.¬†

Flugblatt zur Erinnerung, der 12.000 gefallenen deutschen Juden im 1. Weltkrieg
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Urheber: Reichsbund j√ľdischer Frontsoldaten

https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:1920_poster_12000_Jewish_soldiers_KIA_for_the_fatherland.jpg

PD

Flugblatt des 'Reichsbunds j√ľdischer Frontsoldaten' von 1920

Lukas Epperlein

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Leider sahen das viele Nationalisten nicht so. In ihrer Denkweise nahmen Juden weiterhin einen Sonderstatus ein, sie konnten nicht einfach Teil der Nation werden. Diese Nationalisten fanden es falsch und gef√§hrlich, dass die Juden rechtlich gleichgestellt wurden.¬†Zahlreiche Judenfeinde formierten sich in Parteien und Verb√§nden. In Dresden entstand beispielsweise 1881 die ‚ÄěDeutsche Reformpartei‚Äú und in Kassel die ‚ÄěDeutsche Antisemitische Vereinigung‚Äú.¬†

Der extreme Nationalismus mit seiner Idee einer 'reinen'¬†deutschen Nation sah das Judentum als 'Anti-Volk' und 'Anti-Nation'. Und die Juden dienten diesem Nationalismus zur Verbreitung seiner Ideologie, denn das Fremde bzw. das Andere wird durch seine blo√üe Existenz bereits als Bedrohung wahrgenommen und als Feind angesehen. Durch solche Ausgrenzungen sollte¬†das Zusammengeh√∂rigkeitsgef√ľhl des Nationalismus gest√§rkt werden.¬†

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Merkkasten

Was ist Antisemitismus?

Warum der Name Antisemitismus?

Urspr√ľnglich stammt der Begriff ‚Äěsemitisch‚Äú aus der Sprachwissenschaft und bezeichnet eine Sprachfamilie, zu der vor allem die Sprachen Hebr√§isch und Arabisch geh√∂ren. In 19. Jahrhundert wurde daraus dann eine ‚Äěsemitische Rasse‚Äú erfunden, die bestimmte Merkmale habe, den ‚Äěeurop√§ischen Rassen‚Äú angeblich generell unterlegen sei und deren wichtigste Vertreter die Juden seien. In Texten des 19. und fr√ľhen 20. Jahrhunderts ist also fast immer semitisch = j√ľdisch zu lesen. Antisemitisch hei√üt somit ‚Äěgegenj√ľdisch‚Äú, ein Antisemit ist ein Judenfeind.

Was glauben Antisemiten?

Es handelt sich beim Antisemitismus um eine Weltanschauung, die in der Existenz der Juden die Ursache sozialer, politischer, religi√∂ser und kultureller Probleme sieht. Um ihre Welt so erkl√§ren zu k√∂nnen, verallgemeinern Antisemiten die Juden (‚ÄěAlle Juden sind so‚Äú) und schreiben ihnen bestimmte negative Eigenschaften zu, z.B.:

  • Juden als Fremde: Juden seien nicht nur eine Religionsgemeinschaft, sie seien ein Volk (bzw. eine Rasse). Somit k√∂nnten sie nicht zu anderen V√∂lkern (z.B. dem deutschen Volk) geh√∂ren ‚Äď sie w√ľrden immer ein Fremdk√∂rper sein.
  • Juden als abh√§ngig: Juden seien nicht in der Lage, wichtige kulturelle oder zivilisatorische Leistungen selbst zu vollbringen. Deshalb lebten sie unter anderen V√∂lkern, um von deren Leistungen zu profitieren.
  • Juden als materialistisch: Juden strebten immer nur nach Reichtum. Sie h√§tten keinen Sinn f√ľr Sch√∂nes oder Kultur, au√üer wenn sich damit Geld verdienen lie√üe.
  • Juden als triebhaft: Juden seien lustgetrieben und versuchten st√§ndig, Nichtjuden zu verf√ľhren und sich so mit deren ‚ÄěRasse‚Äú zu vermischen.
  • Juden als Verschw√∂rer: Juden w√ľrden ihre wahren Motive verstecken. Sie seien international verb√ľndet und kontrollierten im Geheimen die Weltpolitik.
  • Juden als streits√ľchtig: Juden seien streits√ľchtig und gef√§hrlich. Sie w√ľrden die Gemeinschaften, in denen sie leben, von innen heraus zerst√∂ren.


Formen des Antisemitismus

Antisemitismus kommt bis heute in unterschiedlichen Formen vor, die sich aber oft auch miteinander vermischen.

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Quelle

Der antisemitische Schriftsteller Julius Langbehn veröffentlicht 1890 sein Buch "Rembrandt als Erzieher"

‚Äě‚Ķdie Judenfrage ist eine Racefrage und der Begriff ‚ÄöJude‚Äė regelt sich einfach nach der Abstammung;‚Ķ‚Äú, S. 157

‚ÄěDie Natur ist so wunderbar aus Ueberg√§ngen geformt, da√ü sie selbst zwischen den st√§rksten Gegens√§tzen, den Deutschen und den Juden, Ueberg√§nge hergestellt hat; aber es w√§re th√∂richt, diese deshalb mit jenen irgendwie gleichstellen zu wollen; denn die geistige sittliche und k√∂rperliche Skala geht vom Deutschen zum Juden hinunter, nicht umgekehrt.‚Äú, S. 166

‚ÄěDer Jude hat keine Ehre, weil er keine Heimath hat.‚Äú, S. 168

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Quelle

Der Historiker Heinrich von Treitschke, ein Wortf√ľhrer des Antisemitismus, schreibt 1879 in einem Artikel √ľber die deutschen Juden

Was wir von unseren israelitischen Mitb√ľrgern zu fordern haben, ist einfach: sie sollen Deutsche werden, [‚Ķ] denn wir wollen nicht, da√ü auf die Jahrtausende germanischer Gesittung ein Zeitalter deutsch-j√ľdischer Mischcultur folge. [‚Ķ]

Unbestreitbar hat das Semitenthum an dem Lug und Trug, an der frechen Gier des Gr√ľnder-Unwesens einen gro√üen Antheil, eine schwere Mitschuld an jenem schn√∂den Materialismus unserer Tage, der jede Arbeit nur noch als Gesch√§ft betrachtet und die alte gem√ľthliche Arbeitsweise unseres Volkes zu ersticken droht; in tausenden deutscher D√∂rfer sitzt der Jude, der seinen Nachbar wuchernd auskauft. [‚Ķ]

Am Gef√§hrlichsten aber wirkt das unbillige Uebergewicht des Judenthums in der Tagespresse [‚Ķ] Was j√ľdische Journalisten in Schm√§hungen und Witzeleien gegen das Christenthum leisten ist schlechthin emp√∂rend, und solche L√§sterungen werden unserem Volke in seiner Sprache als allerneuste Errungenschaften ‚Äědeutscher‚Äú Aufkl√§rung feilgeboten! [‚Ķ]

Ueberblickt man alle diese Verh√§ltnisse ‚Äď und vieles lie√üe sich noch sagen! ‚Äď so erscheint die laute Agitation des Augenblicks doch nur als brutale und geh√§ssige, aber nat√ľrliche Reaction des germanischen Volksgef√ľhls gegen ein fremdes Element, das in unserem Leben einen allzu breiten Raum eingenommen hat. [‚Ķ] Bis in die Kreise h√∂chste Bildung hinauf, unter M√§nnern, die jeden Gedanken kirchlicher Unduldsamkeit oder nationalen Hochmuths mit Abscheu von sich weisen w√ľrden, ert√∂nt es heute wie aus einem Munde: die Juden sind unser Ungl√ľck!

Gr√ľnder-Unwesens: Mit der deutschen Reichsgr√ľndung 1871 setzte ein Wirtschaftsboom ein, in dem viele Firmen gegr√ľndet und an der B√∂rse spekuliert wurden. Nach dem 1873 folgenden B√∂rsenkrach sprach man von dieser 'Gr√ľnderzeit' oft auch negativ.
Materialismus: Weltsicht, in der nur Geld und Waren wichtig sind
Agitation: Aufwiegelei, Hetze

Heinrich von Treitschke, Unsere Aussichten, in: Preu√üische Jahrb√ľcher Band 44, Berlin 1879, S. 559-576, hier: S. 573ff.

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Aufgabe

Antisemitismus und Nationalismus

  1. W√§hle eine der beiden Quellen oben. Finde im gew√§hlten Text eine Stelle, an der nationalistisch und ein Stelle, an der antisemitisch argumentiert wird. Begr√ľnde deine Wahl.
  2. Formuliere eine j√ľdische Antwort auf den von dir gew√§hlten Text. Beziehe dich dabei auf den Inhalt des Darstellungskastens 'Juden sind Teil der Nation' (Element 7) oben.
  3. Finde ein Beispiel aus deinem Alltag, in dem eine Gruppe (z.B. Klasse, Verein, Clique, Familie) ihre eigene Gemeinsamkeit stärkt, indem sie andere Menschen nicht ausgrenzt.
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Antisemitismus | musstewissen Geschichte
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https://www.youtube.com/watch?v=ZbTA36HlV3A

Zusammenfassung Antisemitismus

3. Nationalismus und Rassismus

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Ein Video zur Definition von Rassismus
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Aufgabe

Rassismus

Sieh dir das Video oben an und definiere Rassismus in eigenen Worten.

4. Rassismus im Zuge des Kolonialismus im 19. Jahrhundert

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Bild ist gemeinfrei
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Urheber: Frank Murmann

https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Kolonien#/media/Datei:Kolonien-Afrikas.svg

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Europäische Kolonien in Afrika 1914

Die Europ√§er machten im 19. Jahrhundert den¬†Rassismus zur Grundlage ihres Anspruchs, die Welt zu beherrschen. Die 'Rassen-Theorien' ihrer eigenen europ√§ischen Forscher sagten ihnen, dass sie einfach am besten dazu geeignet w√§ren und die anderen 'Rassen' davon profitieren w√ľrden, wenn die √ľberlegenen Europ√§er √ľber sie herrschten. Mit dieser erlogenen Rechtfertigung ausgestattet, teilten die Europ√§er ganz Afrika und Teile Asiens unter einander auf und machten sie zu Kolonien.¬†

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Chauvinistisch-imperialistische Karikatur als Ansichtskarte
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Urheber: ungenannter K√ľnstler; Verlag: Otto Schulte-Oestrich, K√∂ln am Rhein

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:1900-08_Otto_Schulte-Oestrich_AK_Einmarsch_in_China,_Gruss_vom_Kriegs-Schauplatz,_Bildseite.jpg

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Diese Postkarte (um 1900) zeigt, wie die Europäer den als rassistisches Clichée dargestellten Chinesen die europäische Zivilisation bringen. Die Chinesen hatten es gewagt, sich gegen die europäische Kolonialherrschaft zur Wehr zu setzen.

An illustration from the H. Strickland Constable's Ireland from One or Two Neglected Points of View
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Urheber: H. Strickland Constable

https://en.wikipedia.org/wiki/File:Scientific_racism_irish.jpg

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Pseudowissenschaftliche Grundlage: Darstellungen wie diese sollten im 19. Jahrhundert belegen, dass es angeblich riesige Unterschiede (Kopfform, Hirngröße) zwischen Europäern und Afrikanern gebe. Keine dieser Behauptungen ist nach heutigen wissenschaftlichen Standards belegbar.

Advert for Pears' Soap
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Urheber: Wellcome Collection gallery (2018-03-23)

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Advert_for_Pears%27_Soap_Wellcome_L0030380.jpg

Cc4BY

Der Wunsch aller, wei√ü zu sein: In dieser Seifenwerbung wird ein dunkelh√§utiges Kind von der Wunderseife wei√ü gewaschen. Der Werbung unterliegen die rassistischen Denkmuster, dass ein dunkelh√§utiges Kind sich selbstverst√§ndlich freuen w√ľrde, wenn es eine wei√üe Haut bek√§me und, dass dunkle Haut, genau wie Schmutz, ein Makel bedeute.

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Aufgabe

Karikatur

Sieh dir die Karikatur unten an:

  1.  Beschreibe die Karikatur: Was kannst du auf dem Bild sehen? Beschreibe Mimik, Personen, Gestik, etc.
  2. Erkläre die Karikatur: Was wird hier dargestellt?
  3. Beurteile die Wirkung der Karikatur und nimm dazu Stellung in Bezug auf Rassismus und Nationalismus.
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Urheber: akg-images, NTB scanpix

https://ndla.no/subject:1:9132d125-4d8f-41a6-b61d-77741662d5a9/topic:4:182163/topic:2:164660/resource:1:184591/1105

Cc4BYNCSA
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F√ľr die europ√§ischen Staaten war das ein riesiges Wirtschaftsf√∂rderungsprogramm. Billige Rohstoffe aus den Kolonien, haufenweise neue Kunden, an die man die eigenen Produkte verkaufen konnte. Schiffe, Waffen, Eisenbahn- und Stra√üenbau in den Kolonien ‚Äď all das brachte bestimmte Branchen in den Nationalstaaten Europas zum Aufbl√ľhen. Und die Erz√§hlung, dass man als √ľberlegene Rasse dort drau√üen die Zivilisation verbreite und gleichzeitig die Ehre der eigenen Nation gegen die europ√§ischen Konkurrenten verteidige, begeisterte gro√üe Teile der Bev√∂lkerung.

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Façade of the British Museum
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Urheber: Paasikivi

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:British_Museum_London_2016_Facade_06.JPG?uselang=de

Cc4BYSA

Das British Museum in London: Eines der größten kulturgeschichtlichen Museen der Welt und Stolz der Briten oder doch eher Schatzhaus eines räuberischen Kolonialstaats? Sehr viele der hier ausgestellten Objekte stammen nicht aus Großbritannien. Oftmals kamen sie aus den ehemaligen britischen Kolonien.

Die prächtige Fassade des Empfangsgebäudes zu den Bahnsteigen
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Urheber: Rolf Kranz

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Antwerpen,_Bahnhof,_Schauseite.jpg

Cc4BYSA

Der Bahnhof von Antwerpen, einer der sch√∂nsten Bahnh√∂fe der Welt ‚Äď erbaut mit Geld aus dem Verkauf von Kautschuk, den Belgien unter grausamen Arbeitsbedingungen aus ihrer Kolonie Belgisch-Kongo presste.

S.M. Linienschiff Kaiser Wilhelm II.
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Urheber: Hugo Graf (1844-1914)

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:S.M._Linienschiff_Kaiser_Wilhelm_II_-_restoration.jpg

PD

'Zum Schutz unserer Kolonien!' Das deutsche Linienschiff 'Kaiser Wilhelm II.' Tausende Deutsche jubelten solchen Schiffen zu und zahlten oftmals sogar bereitwillig Zusatzsteuern, um die angebliche deutsche Größe auf den Meeren zu sichern.

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Audio

Ein Radiobeitrag: 'Hamburgs Reichtum durch den Kolonialhandel'

Über diesen Link findest du einen Beitrag des Deutschlandfunks zum Thema, wie die Hafenstadt Hamburg durch den deutschen Kolonialismus sehr reich wurde.

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Aufgabe

Rassismus und Nationalismus

  1. "Ohne Rassismus kein Kolonialismus, ohne Kolonialismus keine Nationalismus." Erkläre den in dieser Aussage behaupteten Zusammenhang in eigenen Worten.
  2. Diskutiere die Aussage kritisch, gehe dabei auch auf die Frage ein, was eigentlich Ursache und was Folge ist.

5. Nationalismus am Beispiel des Alldeutschen Verbandes

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vermutlich gemeinfrei
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Urheber: Unbekannt

https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Peters#/media/Datei:Carl_Peters_1882.jpg

PD

Carl Peters, 1882, Gr√ľnder des Alldeutschen Verbandes

1891 wurde im Deutschen¬†Reich der "Allgemeine Deutsche Verband"¬†von Carl Peters gegr√ľndet, der dann im Jahr 1894 den Namen "Alldeutscher Verband" erhielt. Der Verband vertrat bis zu seiner Aufl√∂sung 1939 eine radikal nationalistische und antisemitische¬†Propaganda.

Der Verband vertrat die Ideologie, dass das deutsche Volk anderen Nationen gegen√ľber √ľberlegen sei und orientierte sich an Sprache, Religion und Rasse, denn diese Merkmale st√§nden angeblich¬†in der Tradition der Germanen. Er strebte bereits im 19. Jahrhundert eine¬†sogenannte ‚ÄěRassenreinheit‚Äú f√ľr das Deutsche Reich¬†an. Er¬†propagierte radikalen Nationalismus und wollte das deutsche Nationalbewusstsein st√§rken sowie im Ausland f√∂rdern. Daf√ľr bediente er sich an rassistischen und antisemitischen Stereotypen und nutze die Idee der Nation, um Fremdenhass zu sch√ľren.

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Quelle

Heinrich Cla√ü, ab 1908 Vorsitzender des Alldeutschen Verbandes in seinem Buch 'Wenn ich Kaiser w√§r¬ī'

Was unser Volk ist mit seinen guten und schlechten Sitten, wissen wir ‚Äď die Menschheit kennen wir nicht und lehnen es ab, f√ľr sie zu sorgen oder uns gar f√ľr sie zu begeistern. Wo f√§ngt das an und h√∂rt es auf, was uns zugemutet werden soll, als zur Menschheit geh√∂rig zu lieben und in unser Streben einzuschlie√üen? Ist der verkommene oder halb tierische russische Bauer des Mir, der Schwarze in Ostafrika, das Halbblut Deutsch-S√ľdwests oder der unertr√§gliche Jude Galiziens oder Rum√§niens ein Glied dieser Menschheit?

Mir: hier: russisches Dorf
Deutsch-S√ľdwest:¬†deutsche Kolonie in S√ľdwestafrika, heute Namibia

Daniel Frymann (Pseudonym von Heinrich Cla√ü), Wenn ich der Kaiser w√§r¬ī, Leipzig (Dietrichsche Verlagsbuchhandlung) 1913, S. 186

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Radio-Beitrag Alldeutscher Bund Kurzbiografie Heinrich Claß
SWR 9.4.1891: Der völkische
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https://www.youtube.com/watch?v=Y2d20v8rdpg

Heinrich Cla√ü - 1914, Tag f√ľr Tag - ARTE
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https://www.youtube.com/watch?v=f8Y3qnRGtBQ

Radio-Beitrag Alldeutscher Bund Kurzbiografie Heinrich Claß
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Mitglieder des Alldeutschen Verbands
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Aufgabe

Alldeutscher Verband

  1. Erkläre an zwei Beispielen (aus Quellentext und/oder Videos) dass es sich beim Alldeutschen Verband um einen rassistischen und antisemitischen Verband gehandelt hat.
  2. "Rassismus und Antisemitismus waren f√ľr den Alldeutschen Verband n√ľtzliche Werkzeuge, um ihre politischen Ziele durchzusetzen." Er√∂rtere diese Behauptung und nutze dabei Informationen aus dem gesamten Kapitel.

Zusammenfassung

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