10.4.3 Die Folgen des Krieges

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10.4.3 Die Folgen des Krieges

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Die Inhalte dieses Kapitels kurz zusammengefasst und in Zusammenhang gesetzt.
Welche Details oder Fakten wurden hier nicht erwĂ€hnt, sind aber fĂŒr dich besonders spannend oder neu?
In diesem Kapitel erhÀltst du umfassende Informationen. Los geht's!

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Das unendliche Ringen von MĂ€chten - Allianz oder Krieg?

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Urheber: Digitale Lernwelten GmbH

GFDL

MĂ€chte ringen immer miteinander.

Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine betrifft nicht isoliert nur diese beiden LĂ€nder. Schon jetzt hat der Konflikt weitreichende Folgen fĂŒr beide Nationen, die Nachbarstaaten, Europa und die ganze Welt. Durch die Waffenlieferungen der USA und der EU in die Ukraine stehen sich indirekt GroßmĂ€chte gegenĂŒber. Diese Form der Weltordnung ist nicht neu. Seit jeher bestimmten Macht und militĂ€rische SchlagkrĂ€ftigkeit das internationale Miteinander. 

Mit dem Ende der Sowjetunion zu Beginn der 1990er Jahre war die Hoffnung groß, dass eine kontinuierliche AnnĂ€herung der alten FeindesmĂ€chte stattfinden und somit eine stetige friedliche Demokratisierung der Welt voranschreiten wĂŒrde.

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Darstellung

Der amerikanische Politikwissenschaftler John. J. Mearsheimer darĂŒber, warum große WeltmĂ€chte stĂ€ndig nach mehr Macht streben

Die traurige Tatsache ist, dass die internationale Politik immer schon ein rĂŒcksichtsloses und gefĂ€hrliches GeschĂ€ft gewesen ist. Und das wird wohl auch so bleiben. Obwohl die IntensitĂ€t der Konkurrenz zu- oder abnimmt, fĂŒrchten sich GroßmĂ€chte voreinander und konkurrieren untereinander um Macht. Das ĂŒber allem stehende Ziel jedes Staates besteht darin, seinen Anteil an der Macht ĂŒber die Welt zu erhöhen. Das bedeutet, Macht auf Kosten anderer Staaten zu erringen. Aber GroßmĂ€chte streben nicht nur danach, die stĂ€rkste aller GroßmĂ€chte zu sein, obwohl das fĂŒr sie ein willkommenes Ergebnis ist. Ihr allerletztes, entscheidendes Ziel besteht darin, die hegemoniale Macht zu sein – also die einzige große Macht im System.

Warum verhalten sich GroßmĂ€chte so? Meine Antwort ist, dass das internationale System Staaten, die nach Sicherheit suchen, dazu zwingt, untereinander aggressiv zu handeln.

Drei kombinierte Faktoren des internationalen Systems fĂŒhren dazu, dass Staaten sich voreinander fĂŒrchten:

  1. das Fehlen einer internationalen Instanz, die ĂŒber den Staaten angesiedelt ist und in der Lage wĂ€re, sie voreinander zu schĂŒtzen,
  2. die Tatsache, dass Staaten immer eigene militÀrische FÀhigkeiten haben,
  3. die Tatsache, dass sich Staaten ĂŒber die Absichten anderer Staaten niemals sicher sein können.
Wie Probleme aus der WeltmÀchteperspektive gelöst werden

John J. Mearsheimer, The Tragedy of Great Power Politics, New York und London 2014, S. 2 und 3 (ĂŒbersetzt von Marcus Ventzke, Digitale Lernwelten GmbH).

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Darstellung

Der amerikanische Politikwissenschaftler John. J. Mearsheimer ĂŒber „realistische“ und „liberale“ Politik und wie sie zusammenkommen

Die zentrale Botschaft des Realismus, dass es nĂ€mlich fĂŒr Staaten sinnvoll ist, selbstsĂŒchtig nach Macht zu streben, besitzt keine große AttraktivitĂ€t. Es ist schwierig, sich vorzustellen, dass ein moderner politischer FĂŒhrer die Öffentlichkeit ohne Umschweife dazu auffordert, fĂŒr die Verbesserung des Machtgleichgewichts zu kĂ€mpfen und zu sterben. Kein einziger amerikanischer oder europĂ€ischer Staatsmann hat das wĂ€hrend des Weltkriegs oder des Kalten Kriegs getan.

Die meisten Leute stellen sich KĂ€mpfe zwischen ihrem eigenen und rivalisierenden LĂ€ndern lieber als ZusammenstĂ¶ĂŸe zwischen Gut und Böse vor, bei denen sie auf der Seite der Engel stehen und ihre Gegner mit dem Teufel im Bunde stehen.

Deshalb neigen politische FĂŒhrer dazu, Krieg als moralischen Kreuzzug oder ideologischen Wettbewerb darzustellen, statt als Kampf um Macht. Realismus ist schwer in der Öffentlichkeit zu vermitteln.

John J. Mearsheimer, The Tragedy of Great Power Politics, New York und London 2014, S. 22 f (ĂŒbersetzt von Marcus Ventzke, Digitale Lernwelten GmbH).

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http://Von+William+Allen+Rogers+-+http://americanhistory.si.edu/militaryhistory/exhibition/zoomify.asp?id=1937&type=g&width=640&height=480&hideAlt=1,+Gemeinfrei,+https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=666916

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Alte Idee neu verwendet. Schon die alten Imperialisten, wie hier Roosevelt, nahmen sich, was sie wollten. Damit reiht sich Trump in die Geschichte der USA ein.

Diese Hoffnung zerbröckelt mehr und mehr. Mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine ist deutlich geworden, dass GroßmĂ€chte ihre militĂ€rische SchlagfĂ€higkeit nach wie vor zur Durchsetzung der eigenen Interessen nutzen. Demokratisches, gleichberechtigtes Miteinander souverĂ€ner Staaten? Fehlanzeige!

Und die USA? Eine weitere Großmacht, die scheinbar bereit ist, Ă€hnlich zu agieren. PrĂ€sident Trump griff im Januar 2026 militĂ€risch in Venezuela ein und drohte mit einer möglichen militĂ€rischen Übernahme Grönlands. Ist die Hoffnung auf eine friedliche Welt bereits vollstĂ€ndig in Scherben?

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Der kanadische Premierminister ĂŒber den Sinn einer Partnerschaft (Integration) im „westlichen“ BĂŒndnis.

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Quelle

US-Angriff auf Venezuela - Gilt jetzt das Recht des StÀrkeren?

Deutschlandfunk: Nach dem Angriff auf Venezuela drohte US-PrĂ€sident Donald Trump auch Kolumbien und Mexiko und sagte außerdem, die USA brauchten Grönland. Die EuropĂ€er sind alarmiert. Sind die Zeiten der Kooperation auf internationaler Ebene vorbei?
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https://www.deutschlandfunk.de/angriff-der-usa-auf-venezuela-gilt-jetzt-das-recht-des-staerkeren-100.html

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Quelle

Streit ĂŒber die Zukunft Grönlands

Donald Trump erhebt BesitzansprĂŒche auf Grönland und begrĂŒndet dies mit einer steigenden Bedrohungslage. WĂŒrde Trump dieses Interesse militĂ€risch durchsetzen?

https://www.deutschlandfunk.de/keine-einigung-bei-gespraechen-in-washington-100.html

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Amerikas Kriege - Die ganze Doku | ARTE
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Die Kriege der USA
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Aufgabe

Podiumsdiskussion

Organisiert eine Podiumsdiskussion zum Thema „Die Folgen des Ukrainekriegs und die neue Weltordnung der GroßmĂ€chte“.

Vorbereitung
(1–2 Stunden vorher)

Gruppenbildung:
Lerngruppe in Rollen aufteilen (4–6 PodiumsgĂ€ste,  1–2 Moderator*innen,  Publikum).
Kontroverse Perspektiven fĂŒr die GĂ€ste wĂ€hlen:

  • Russischer Diplomat (NATO-Aggression als Ursache)
  • Ukrainischer Vertreter (Verteidigung der SouverĂ€nitĂ€t)
  • US-Stratege (Neue Weltordnung durch Allianzen)
  • Chinesischer Analyst (MultipolaritĂ€t statt Hegemonie)
  • EU-Politiker*in (wirtschaftliche Folgen und Werte)

Materialien:
Alle Informationen der Elemente 1-9 nutzen

Ablauf der Diskussion

  1. EinfĂŒhrung (5 Min.): Moderator*innen stellen Thema, GĂ€ste und Regeln vor (z. B. Redezeit 1–2 Min., kein Unterbrechen, respektvolle Sprache)
  2. Eröffnungsstatements (10 Min.): Jede*r Gast prÀsentiert Position (1 Min. pro Person)
  3. Hauptdiskussion (20–30 Min.): Freier Austausch mit Moderator*innensteuerung – Repliken, Fragen aus dem Publikum (z. B. alle 5 Min. eine)
  4. Publikumsbeteiligung (10 Min.): 2–3 Fragen aus dem Publikum, kurze Antworten.
  5. Abschlussrunde (5 Min.): Jeder Gast fasst Kernposition zusammen; Moderator*innen bĂŒndeln gemeinsame und unterschiedliche Positionen.
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Hinweis

Auswertung einer Podiumsdiskussion

Möglichkeiten fĂŒr die Nachbereitung:

WÀhlt eine der folgenden Nachbereitungsaufgaben aus: 

  • Abstimmung: Publikum bewertet per Punktabfrage oder Handzeichen, z. B. die ĂŒberzeugendste Argumentation.
  • Reflexion: Runde: „Welche Perspektive hat dich ĂŒberrascht?“ oder „Welche Quellen waren entscheidend?“
  • Hausaufgabe: Kurzer Reflective Essay („Neue Weltordnung: Chance oder Bedrohung?“)
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Sind das direkte Folgen des Ukraine-Russland-Krieges, oder machen uns die Konflikte nur sichtbar, was gerade international geschieht? Welche Vorstellung von Weltordnung scheint nach wie vor in den Köpfen regierender Personen vorzuherrschen? Und welche Mittel gelten als rechtmĂ€ĂŸig, eingesetzt zu werden? Löst sich die Hoffnung auf Frieden auf und macht dem alten Denken vom Recht des StĂ€rkeren Platz? Liegt noch irgendeine Moral zugrunde, oder muss derartiges politisches Operieren als bewusst egoistisch und willkĂŒrlich eingeschĂ€tzt werden? Wird diese Vorgehensweise kĂŒnftig vermehrt das Geschehen in der Weltpolitik bestimmen?

Die direkten Folgen des Krieges zwischen Russland und der Ukraine lassen sich bereits jetzt darstellen.

Kriegsverbrechen

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Das russische MilitĂ€r hat Kriegsverbrechen begangen, darunter gezielte Angriffe auf zivile Ziele einschließlich KrankenhĂ€user, medizinischer Einrichtungen und des Energienetzes; unterschiedslose Angriffe auf dicht besiedelte Gebiete; EntfĂŒhrung, Folter und Ermordung von Zivilisten; Zwangsdeportationen; sexuelle Gewalt; die Zerstörung von Kulturerbe sowie die Tötung und Folterung ukrainischer Kriegsgefangener.

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Urheber: Von National Police of Ukraine

https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=116761381

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Opfer des Massakers von Butscha

Ein UN-Menschenrechtsbericht kam zu dem Schluss, dass russische Truppen Zivilisten in ukrainischen StĂ€dten und Dörfern in den Regionen Kiew, Tschernihiw und Sumy zwischen dem 24. Februar und dem 6. April 2022 töteten. In der Stadt Butscha dokumentierte die Mission die Tötung von 73 Zivilisten und ist dabei, weitere 105 mutmaßliche Tötungen zu verifizieren. Der Internationale Strafgerichtshof hat einen Haftbefehl gegen Wladimir Putin erlassen – wegen der Verschleppung ukrainischer Kinder nach Russland.

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Erweiterung

Die Verbrechen von Butscha

Ein Bericht der Vereinten Nationen gibt ausfĂŒhrlich Auskunft ĂŒber die Verbrechen von Butscha.

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Darstellung

Verhaftungen durch die russischen Besatzer in der Ukraine

Die Verhaftungen von Zivilist*innen in den nach 2022 besetzten Gebieten begannen unmittelbar nach Russlands vollumfĂ€nglichem Überfall im Februar. Allein in der Region um Charkiw, die nur bis zur RĂŒckeroberung im September besetzt blieb, verschwanden 1.967 Zivilist*innen. Man geht davon aus, dass sie in GefĂ€ngnissen im weiterhin besetzten Teil der Ukraine oder sogar in Russland einsitzen.

Gleichzeitig wurde die Auflösung des ukrainischen Rechtssystems und die Eingliederung des Strafverfolgungsapparats unter die Verwaltungshoheit des russischen Innenministeriums vorbereitet. Schon Ende Juli eröffnete das russische Innenministerium dazu seine vorlĂ€ufigen Regionalabteilungen in Saporischschja und Cherson, was die gezielten Verhaftungen und Ermittlungen gegen Personen, die aus Sicht der russischen FĂŒhrung den Zielen der Besatzung im Weg standen, vereinfacht haben dĂŒrfte. [...]

Oft zitiert wird der ukrainische Ombudsmann fĂŒr Menschenrechte, Dmytro Lubinez, der von 16.000 identifizierten Zivilist*innen spricht, die von Russland gefangengenommen wurden. Darin eingeschlossen sind jedoch nicht nur Verhaftungen, sondern auch verschleppte Heimbewohner und Kinder.

Kriegstote – Zerstörungen – Flucht und Vertreibung

HumanitÀre Katastrophe

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Die Opferzahlen sind enorm, wenn auch umstritten. Russland und die Ukraine haben wahrscheinlich bislang mehrere Hunderttausend Soldaten in diesem Krieg verloren (Tote und Verwundete). Die Vereinten Nationen schÀtzen, dass seit Februar 2022 mehr als 12.000 Zivilisten getötet wurden.

Zerstörung der Infrastruktur

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Etwa 90 Prozent der ukrainischen thermischen Stromerzeugung waren bis Mai 2025 zerstört. Etwa 50 Prozent aller ukrainischen Wasserkraftanlagen wurden beschÀdigt und 40 Prozent zerstört. Die ukrainische Energieinfrastruktur arbeitete im Herbst 2025 nur noch mit etwa einem Drittel ihrer KapazitÀt vor der Invasion.

Flucht und Vertreibung

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In der grĂ¶ĂŸten FlĂŒchtlingskrise in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg wurden etwa 3,7 Millionen Menschen innerhalb der Ukraine vertrieben, wĂ€hrend weitere 5,6 Millionen Ukrainer im Ausland Zuflucht gesucht haben (Stand Juli 2025). UNHCR

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Vertreibung seit Kriegsbeginn im Februar 2022

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Deutschland und Polen sind die LĂ€nder mit den meisten aufgenommenen ukrainischen FlĂŒchtlingen (Stand Mai 2025). Insgesamt waren etwa 5,1 Millionen ukrainische FlĂŒchtlinge in Europa und weitere 500.000 im Rest der Welt registriert.

Deutschland nahm bisher 1.270.826 ukrainische StaatsbĂŒrger (Stichtag: 31. Oktober 2025) auf. In Deutschland leben die meisten von ihnen in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-WĂŒrttemberg und Berlin.

Etwa 90 Prozent aller ukrainischen FlĂŒchtlinge sind Frauen und Kinder.

AusfĂŒhrliche Informationen hierzu in Kapitel
10.5 Deutschland, Deutsche und der Krieg – UnterdrĂŒckung, Flucht, unterbrochene Beziehungen

Gesellschaftliche Mobilisierung

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Beide Gesellschaften sind vom Krieg geprĂ€gt: die Ukraine durch Mobilisierung, tĂ€gliche Luftalarme und wirtschaftlichen Niedergang; Russland durch Zensur, Repression gegen Kriegsgegner und die Auswirkungen westlicher Sanktionen. Der Krieg hat die ukrainische nationale IdentitĂ€t gestĂ€rkt und die Gesellschaft vom russischen Einfluss entfremdet – das Gegenteil dessen, was Moskau anstrebte.

Radikalisierung des Krieges

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Putin nennt Ukraine-Krieg vor Kindern
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De russische PrĂ€sident bezeichnet Anfang 2025 den Krieg seines Landes gegen die Ukraine als „heilige Pflicht“

Langfristiger Ausblick

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Karikatur: „Trump und Putin teilen die Welt neu auf.“ Was bedeutet das fĂŒr die Ukraine? Und: welches SelbstverstĂ€ndnis steckt dahinter, dass die beiden GroßmĂ€chte der Meinung sind, so agieren zu dĂŒrfen?

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In der Welt unserer Tage löst sich der regelbasierte Umgang der Staaten miteinander auf. Der Westen als Ort des Schutzes wichtiger gesellschaftlicher Werte sowie der Menschen- und BĂŒrgerrechte bröckelt zunehmend. Alle grĂ¶ĂŸeren Staaten der Welt – Russland, China und die USA – folgen ihren eigenen Macht- und Wirtschaftsinteressen. Eine neue Aufteilung der Welt steht bevor, wie man sie aus dem 19. Jahrhundert kennt.

In dieser Lage könnte der Krieg in der Ukraine, der jetzt schon lĂ€nger dauert als der Krieg zwischen Nazideutschland und der Sowjetunion, noch lange andauern. Wenn er endet, dann aufgrund einer Übereinkunft der GroßmĂ€chte. Die Interessen der Ukraine werden dabei im besten Fall eine untergeordnete, im schlechtesten nahezu gar keine Rolle spielen.

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Karikatur: „Trump und Putin suchen einen „gerechten“ Frieden fĂŒr die Ukraine.“

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Aufgabe

Karikaturen untersuchen

  1. Untersuche die Karikaturen ĂŒber den US-PrĂ€sidenten Donald Trump und den russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin.
  2. Beschreibe auf der Grundlage dieser Karikaturen die Gefahren fĂŒr die Ukraine.

Was nicht so laut gesagt wird: US-PrÀsident Donald Trump will auch nur die BodenschÀtze

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Die an diesem Krieg beteiligten großen LĂ€nder, die eine der beteiligten Kriegsparteien unterstĂŒtzen oder wie Russland selbst den Krieg fĂŒhren, werden auf ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen achten, denn die Lieferung von Waffen oder auch die StĂŒtzung des ukrainischen Staatshaushalts zur Aufrechterhaltung von medizinischer Versorgung, Bildung und Infrastruktur sind sehr teuer. Russland will ukrainische Gebiete annektieren und sich deren Industrieanlagen und Ressourcen aneignen. Die USA wollen in der Ukraine Zugriff auf BodenschĂ€tze wie Lithium erhalten. Die europĂ€ischen Staaten zielen mit Wiederaufbaukonferenzen und -vereinbarungen ebenfalls auf die wirtschaftlichen Potenziale eines Wiederaufbaus der Ukraine nach dem Ende des Krieges.

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Quelle

USA sichern sich Zugriff auf grĂ¶ĂŸtes Lithiumfeld der Ukraine

Wer verliert den Krieg auf jeden Fall?

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Urheber: PantheraLeo1359531

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Zusammenkunft_Solidarit%C3%A4t_mit_der_Ukraine_20220226_HOF09359.jpg?uselang=de

PD

Gedenken fĂŒr die Todesopfer des Krieges

Die Ukraine! Sie hat viele Opfer zu beklagen, die nicht zurĂŒckkommen. Hunderttausende Kriegsversehrte werden die ukrainische Gesellschaft auch noch lange nach Kriegsende prĂ€gen. Die von Russland angerichteten Zerstörungen sind gewaltig und werfen das Land in seiner Entwicklung wahrscheinlich viele Jahre zurĂŒck. Ob nach einem Kriegsende die Millionen FlĂŒchtlinge zurĂŒckkehren werden, ist sehr fraglich. Die beteiligten UnterstĂŒtzer des Krieges werden nach dem Krieg in irgendeiner Form als Sieger-, Garantie- und SicherungsmĂ€chte einen großen Einfluss direkt im Land haben. Die Gefahr ist hoch, dass die Ukrainer den Aufbau dadurch bezahlen mĂŒssen, dass sie den Zugriff auf ihre Industrieanlagen, LandwirtschaftsflĂ€chen, Hafenanlagen und Bergwerke verlieren – und zwar genau an die Garantie- und SicherungsmĂ€chte, die nach dem Krieg ihre Verluste ausgleichen und, wie der US- und der russische PrĂ€sident, Gewinn machen wollen.

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Historische Zeiten? Historiker Sir Christopher Clark im SpitzengesprÀch | DER SPIEGEL
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Der australische Historiker Christopher Clark ĂŒber ein mögliches Ende des Ukrainekrieges (27.11.2025)
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Darstellung

Das Rohstoffabkommen zwischen der Ukraine und den USA vom April 2025

Unterzeichnung und Hintergrund

Am 30. April 2025 unterzeichneten die USA und die Ukraine ein Abkommen, das den USA privilegierten Zugang zu den umfangreichen Rohstoffvorkommen der Ukraine gewÀhrt.

Die Verhandlungen waren turbulent: Die Unterzeichnung des Abkommens, fĂŒr das der Rahmen bereits vereinbart worden war, wurde durch die heftige Konfrontation zwischen Trump und Selenskyj im Februar vereitelt. 

Nach einem Eklat im Weißen Haus, bei dem Trump und VizeprĂ€sident Vance Selenskyj vor laufenden Kameras Respektlosigkeit vorwarfen, schienen die Verhandlungen gescheitert. Erst nach einem Treffen am Rande der Papstbeerdigung in Rom kam es doch noch zur Einigung.

Inhalt des Abkommens

Vereinbart wurde, dass Washington und Kiew zu gleichen Teilen einen gemeinsamen Fonds schaffen, in den die Gewinne aus zukĂŒnftigen Rohstoffprojekten fließen sollen. Dabei erhalten die USA einen privilegierten Zugang zu ukrainischen Rohstoffen. 

Das Rahmenabkommen umfasst elf Punkte und sieht die Schaffung eines Wiederaufbaufonds fĂŒr die Ukraine vor. Es legt fest, dass die Ukraine 50 Prozent aller Einnahmen aus kĂŒnftigen Rohstoffprojekten in diesen Fonds einzahlen soll. Dies betrifft Mineralvorkommen, Kohlenwasserstoffe wie Erdöl und Erdgas sowie Einnahmen aus der Nutzung von Infrastruktur wie HĂ€fen oder FlĂŒssiggasterminals. 

Wichtige Details

  • Das Abkommen hĂ€lt laut der ukrainischen Wirtschaftsministerin Swyrydenko fest, dass die Ukraine wegen der bisherigen Waffen- und Finanzhilfen im russisch-ukrainischen Krieg von 2022 bis 2025 keine Schulden hat. 
  • Der Deal sieht vor, dass die Ukraine sowohl Besitz als auch Kontrolle ĂŒber ihre BodenschĂ€tze behĂ€lt. DarĂŒber hinaus mĂŒssen die Einnahmen aus der Rohstoffförderung in den ersten zehn Jahren in die Ukraine investiert werden. 
  • „Die Ukraine behĂ€lt die Kontrolle ĂŒber alle Ressourcen“, versicherte Regierungschef Denys Schmyhal. LagerstĂ€tten oder auch Infrastrukturobjekte seien kein Gegenstand des Vertrages. 
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Darstellung

Kosten des Ukrainekriegs fĂŒr Deutschland

Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine am 24. Februar 2022 hat die Bundesregierung der Ukraine bilaterale zivile UnterstĂŒtzung in Höhe von rund 36 Milliarden Euro geleistet. Die militĂ€rische UnterstĂŒtzung betrug bislang rund 40 Milliarden Euro oder wird fest geplant in den kommenden Jahren bereitgestellt. Das ergibt eine Gesamtsumme von etwa 76 Milliarden Euro an direkter bilateraler UnterstĂŒtzung.

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LIVE: Friedrich Merz Speaks at Ukraine Recovery Conference 2025 | Urgent EU & NATO Updates | AC1E
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Bundeskanzler Merz ĂŒber die Beteiligung Deutschlands am Wiederaufbau der Ukraine
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Darstellung

Bundeskanzler Friedrich Merz ĂŒber die Rolle von Unternehmen beim Aufbau der Ukraine

„Um neu aufzubauen, was zerstört wurde, braucht es jetzt schon starke Partner. Die sind heute hier. Hochrangige Vertreterinnen und Vertreter von vielen Staaten kommen heute zusammen. Die EuropĂ€ische Union, die G7, die großen internationalen Organisationen [...]. Der Wiederaufbau der Ukraine wird sich nicht allein aus öffentlichen Mitteln leisten lassen; ohne die Privatwirtschaft wird es nicht gehen. Daher freut es mich ganz besonders, dass wir heute beispielsweise einen European Flagship Fund for the Reconstruction of Ukraine aus der Taufe heben. Ich möchte auch die wertvolle Arbeit des Business Advisory Council wĂŒrdigen [...]. Ich habe mich mit dieser Gruppe auch in Berlin getroffen, als PrĂ€sident Selenskyj vor einigen Wochen zu Besuch war. Es ist wirklich beeindruckend, was gerade deutsche Unternehmen beim Wiederaufbau der Ukraine schon heute leisten. Sie investieren. Sie beschĂ€ftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Deutschland, aber auch sehr viele aus der Ukraine.“

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Karikatur: „Wer darf mit an den Tisch, auf dem die Welt verteilt wird?“ - Und: wie kann es geschehen, dass dieser „Tisch“ mit einigen wenigen verschwindet und die SouverĂ€nitĂ€t der Staaten tatsĂ€chlich gewĂ€hrleistet ist?

KĂ€mpfen fĂŒr die Freiheit - kollektive WĂŒrde

Mögliche positive Effekte

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Auch wenn die Ukraine massive Verluste an Mensch und Material zu beklagen haben wird, gibt es doch einen Aspekt, in dem die ukrainische Bevölkerung möglicherweise nicht verlieren könnte. FĂŒr die eigene Freiheit zu kĂ€mpfen, kann eine starke kollektive IdentitĂ€t stiften. Menschen, die zusammen Risiken eingegangen sind und Opfer gebracht haben, entwickeln oft ein GefĂŒhl der Zusammengehörigkeit, das ĂŒber ethnische, regionale oder soziale Unterschiede hinausgeht. Gerade die Ukraine ist hier ein interessantes Beispiel: Die drei Revolutionen (1990, 2004, 2013/14) haben eine zivilgesellschaftliche Tradition geschaffen, auf die sich spĂ€tere Generationen berufen können. ErkĂ€mpfte Freiheit wird oft höher geschĂ€tzt als mĂŒhelos erlangte. BĂŒrger, die fĂŒr demokratische Rechte gekĂ€mpft haben, neigen dazu, diese aktiver zu verteidigen und politisch wachsamer zu sein. Der Kampf selbst schafft auch praktische Erfahrungen in Selbstorganisation, SolidaritĂ€t und zivilem Widerstand.

Der Kampf fĂŒr Freiheit wird auch philosophisch als existenzielle Wahl, politische Notwendigkeit oder als moralische Pflicht verstanden, die oft mit Verantwortung und dem Überwinden von Fremdbestimmung verbunden ist.
So z. B. Jean-Paul Sartre (Existenzialismus): Freiheit ist das Wesen des Menschen. Kampf bedeutet, diese absolute Freiheit durch Entscheidungen zu verwirklichen und Verantwortung zu ĂŒbernehmen, auch politisch.

Kritische EinwÀnde

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Allerdings gibt es auch Gegenbeispiele. Deutschland und Japan entwickelten nach 1945 stabile Demokratien, obwohl diese von außen eingefĂŒhrt wurden. Umgekehrt fĂŒhrten manche BefreiungskĂ€mpfe zu autoritĂ€ren Regimen, weil die RevolutionsfĂŒhrer ihre Macht nicht wieder abgaben. Zudem kann ein ĂŒberhöhter Opfermythos auch problematisch werden, wenn er nationalistische Tendenzen befördert oder kritische Selbstreflexion erschwert. Die Wirkung eines kollektiven Kampfes um die Freiheit hĂ€ngt letztlich stark davon ab, wie eine Gesellschaft ihre Geschichte aufarbeitet und welche Lehren sie daraus zieht.

Zusammenfassung: Die Folgen des Krieges

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