10.1 Eine jahrhundertelange Vorgeschichte - Zwei ungleiche Brüder

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10.1 Eine jahrhundertelange Vorgeschichte - Zwei ungleiche Brüder

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Die Ukrainer und Russen teilen eine lange gemeinsame Geschichte, die mit slawischen Stämmen im Osten Europas beginnt und durch immer wieder neue Machtkonstellationen, Kriege und Reichsbildungen geprägt ist. Beide Völker stammen von ostslawischen Stämmen ab, die sich über Jahrhunderte miteinander vermischten. Wie kommt es dazu, dass sie heute gegeneinander Krieg führen?

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Darstellung

Was ist die Ukraine?

Ursprünglich handelt es sich um eine „historische Landschaft“, einen Übergangsraum zwischen den polnischen, osmanischen und russischen Großreichen – vor allem aber um ein multiethnisches und bis ins 17. Jahrhundert politisch kaum oder nur schwach strukturiertes Gebiet. Die Einflusssphären Polens und Russlands wurden in etwa durch den Dnjepr getrennt, osmanische Vasallenstaaten dominierten den südwestlichen Teil einschließlich der Krim. Zwischen ihnen behaupteten sich zeitweise Kosakengesellschaften, die zwischen den imperialen Mächten lavierten. Kurz: Die Ukraine war lange Zeit das genaue Gegenteil eines Territoriums.

Das änderte sich im Laufe des 18. Jahrhunderts, als sich das Russische Reich nach Süden und Westen ausdehnte, gemeinsam mit Österreich und Preußen Polen von der Landkarte strich und die Krim- und Jedisan-Khanate vernichtete. Von dieser Zeit an befand sich mit Ausnahme Galiziens, das durch die polnischen Teilungen an Österreich fiel, der größte Teil der Ukraine unter russischer Herrschaft. Die Autonomie der Kosaken wurde abgeschafft, und die Großregion in Gouvernements aufgeteilt, die nach administrativen, nicht nach ethnischen, kulturellen oder historischen Kriterien gestaltet wurden. So entstanden zwar zarische Provinzen, aber kein ukrainisches Verwaltungsgebiet. Offiziell blieb es dabei bis 1917.

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Die Kiewer Rus als „Wiege beider Völker"

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In der Kiewer Rus blühten Handel und Gewerbe. Es entstand ein Reichtum, der sich vor allem aus der Kontrolle über die Handelsrouten ergab. Über den Dnjepr wurden von Nowgorod Pelze, Honig, Wachs, Bernstein, Sklaven südwärts nach Kiew und weiter per Schiff nach Konstantinopel und in den Orient transportiert. Im 10. Jahrhundert geschlossene Verträge mit Byzanz sicherten zudem Zollfreiheiten. Daraus resultierten jährliche Waren- und Rohstofflieferungen von Tausenden Tonnen über die Dnjepr-Route. Eingeführt wurden Seide, Gewürze, Silbermünzen und Wein. Auch der Handel über die Wolga (nach Persien bzw. in den islamischen Raum) und die Ostsee-Verbindungen nach Skandinavien und Westeuropa war sehr einträglich.

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Urheber: SeikoEn

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Bevölkerung der Kiewer Rus

Die Kiewer Rus aus russischer und ukrainischer Sicht

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Je nachdem, welcher Perspektive man folgt, erhält man eine unterschiedliche Darstellung, bzw. Interpretation der historischen Geschehnisse. Welche Perspektive ist richtig? Gibt es überhaupt eine „richtige Perspektive" oder allenfalls eine unterschiedliche Einschätzung, ausgehend von einem unterschiedlichen Blickwinkel?

In den beiden ersten Unterkapiteln sind die ukrainische Sicht und die russische Sicht auf ihre gemeinsame Vergangenheit einander gegenübergestellt.

Im dritten Unterkapitel ergänzen wir diese Historie durch eine dritte Sichtweise: die ukrainedeutsche Perspektive.

10.1.1 Die ukrainische Perspektive

10.1.2 Die russische Perspektive

10.1.3 Die ukrainedeutsche Perspektive