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4.3 Flucht und Vertreibung aus dem Osten

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Urheber: Bundesarchiv, B 285 Bild-S00-00326 / Unknown / CC-BY-SA 3.0

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_175-S00-00326,_FlĂŒchtlinge_aus_Ostpreußen_auf_Pferdewagen.jpg

Cc3BYSA

Frauen, Kinder und Alte auf der Flucht aus Ostpreußen.

4.3 Flucht und Vertreibung aus dem Osten

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In endlosen FlĂŒchtlingstrecks zogen die Menschen vor allem zwischen 1944 und 1946 nach Westen. Ihre wenigen Habseligkeiten hatten sie auf Handkarren, Leiterwagen, Schlitten, Pferdewagen geladen. Es waren vor allem Frauen, Kinder und alte Menschen. Sie mussten sich fragen: „Was wird aus uns werden?“; „Wo sollen wir hin?“ Hunderttausende verloren bei Flucht, Vertreibung und Verschleppung ihr Leben. Hunger, KĂ€lte und Krankheiten begleiteten die Fliehenden. Die Menschen mĂŒssen zurĂŒcklassen, was ihr Leben bisher ausgemacht hatte: Haus und Hof, Hab und Gut, Heim und Heimat. Viele Familien wurden auseinandergerissen. Die Flucht der Deutschen aus den östlichen Regionen des Deutschen Reiches, aus den im Zweiten Weltkrieg von Deutschen eroberten Gebieten sowie aus ihren Siedlungsgebieten in anderen Staaten des östlichen Europa sollte endgĂŒltig sein. Es gab fĂŒr sie keine Möglichkeit der RĂŒckkehr.

1. Das VorrĂŒcken der Roten Armee löste eine Massenflucht aus

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Urheber: JĂŒrgen Heller Privat Briefmarkensammlung

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Russische Gedenkbriefmarke an die Schlacht von Stalingrad 1942/43.

Die deutschen Truppen hatten sich seit Ende 1942 immer mehr aus der Sowjetunion zurĂŒckziehen mĂŒssen, und auch dabei schlimme Verbrechen begangen. Das Scheitern der Operation „Barbarossa“ vor Moskau sowie die Niederlage der deutschen 6. Armee in Stalingrad hatte zum Wendepunkt des Zweiten Weltkrieges an der Ostfront gefĂŒhrt. Ende 1944 standen die sowjetischen Truppen schließlich an den östlichen Grenzen des Deutschen Reiches. Am 12. Januar 1945 startete die Rote Armee ihre Winteroffensive gegen Hitlerdeutschland, die in der Kapitulation endete und in der Vertreibung von mindestens 14 Millionen Deutschen aus ihren Siedlungsgebieten u.a. in Ostpreußen, Pommern und Schlesien. Durch das VorrĂŒcken der Roten Armee ging es den Deutschen u.a. im Sudetenland und auf dem Balkan Ă€hnlich. 

Bis Ende 1944 hatte sich der Krieg im Osten jedoch grĂ¶ĂŸtenteils außerhalb des Deutschen Reichs abgespielt. Deutsche Zivilisten hatten dort bis zu diesem Zietpunkt keine Kampfhandlungen erlebt. Das Ă€nderte sich nun mit dem HeranrĂŒcken der Roten Armee. Berichte ĂŒber das VorrĂŒcken und in vielen FĂ€llen auch die BrutalitĂ€t sowjetischer Soldaten breiteten sich aus. Diese wurden oft angefacht von der Propaganda der Nationalsozialisten, die damit die Bevölkerung zum bedingungslosen Widerstand motivieren wollten.

Das VorrĂŒcken der Roten Armee auf dem Gebiet des Deutschen Reichs ging mit zahllosen PlĂŒnderungen, Vergewaltigungen und Morden einher. Es war auch die Rache fĂŒr all die GrĂ€ueltaten, die die Deutschen in der Sowjetunion angerichtet hatten.

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Vorbei an zerstörten Panzern der Hitler-Wehrmacht geht der Vormarsch der Roten Armee weiter
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Urheber: Bundesarchiv, Bild 183-R0130-329 / Melnik / CC-BY-SA 3.0

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-R0130-329,_Vormarsch_der_Roten_Armee.jpg

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Vorbei an zerstörten deutschen Panzern marschiert die Rote Armee nach Westen.

Sowjetunion.-
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Urheber: Bundesarchiv, Bild 101I-265-0003-18A / Moosdorf [Mossdorf] / CC-BY-SA 3.0

https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Bundesarchiv_Bild_101I-265-0003-18A,_Russland,_Panzer_II.jpg

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Damit begann es: Im Juni 1941 ĂŒberfĂ€llt die Deutsche Wehrmacht die Sowjetunion.

HĂ€userkampf in Stalingrad
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Urheber: Bundesarchiv, Bild 183-R90142 / CC-BY-SA 3.0

https://it.wikipedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-R90142,_Russland,_Kesselschlacht_Stalingrad.jpg

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Der Wendepunkt: Die Schlacht in Stalingrad 1943: Rotarmisten wÀhrend des Kampfes in einer zerstörten Werkhalle.

Rußland.- FlĂŒchtlinge aus Stalingrad lagern auf freiem Feld;
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Urheber: Bundesarchiv, Bild 101I-617-2574-03 / Ollig / CC-BY-SA 3.0

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_101I-617-2574-03,_Stalingrad,_gefl%C3%BCchtete_Zivilbev%C3%B6lkerung.jpg

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GeflĂŒchtete Zivilbevölkerung aus Stalingrad

Eine Kolonne deutscher Kriegsgefangener aus Stalingrad auf dem Marsch ins Gefangenenlager, Februar 1943.
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Urheber: Bundesarchiv, Bild 183-E0406-0022-010 / CC-BY-SA 3.0

https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Bundesarchiv_Bild_183-E0406-0022-010,_Kolonne_deutscher_Kriegsgefangener.jpg

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Eine Kolonne deutscher Kriegsgefangener auf dem Weg ins Gefangenenlager im Februar 1943

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Darstellung

Die Flucht vor der Roten Armee

Treck mit FlĂŒchtlingen auf einer Landstraße in Ostpreußen, ca. Febr./MĂ€rz 1945
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Urheber: Bundesarchiv, Bild 146-1976-072-09 / CC-BY-SA 3.0

https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Bundesarchiv_Bild_146-1976-072-09,_Ostpreu%C3%9Fen,_Fl%C3%BCchtlingtreck.jpg

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Treck mit FlĂŒchtlingen und Wehrmachtssoldaten auf einer Landstraße bei Braunsberg in Ostpreußen, ca. Februar/MĂ€rz 1945

Die Menschen flohen oft unkontrolliert, in wilder Panik und im letzten Moment. Es blieb ihnen kaum Zeit, an das Nötigste zu denken. Viele warteten bis zum letzten Augenblick, weil die NS-Behörden ĂŒber Monate hinweg die Vorbereitungen einer Flucht aus Ostpreußen schlicht unterdrĂŒckt hatten. So verbot beispielsweise der Gauleiter Ostpreußens, Erich Koch, die Vorbereitung der Evakuierung der ansĂ€ssigen Bevölkerung und propagierte noch Anfang 1945 Durchhalteparolen.

Berichte von GrĂ€ueltaten der sowjetischen Armee fĂŒhrten dann aber ab Ende 1944 zu einer gewaltigen Massenflucht der deutschen Bevölkerung. n schier endlosen Trecks drĂ€ngten FlĂŒchtlingsströme in den Westen. Schlecht ausgerĂŒstet und ohne ausreichende Nahrung zogen sie quer durchs zerstörte Land. 
Die schnell vorrĂŒckende Rote Armee ĂŒberrollte buchstĂ€blich viele FlĂŒchtlingstrecks, die nicht schnell genug ausweichen konnten. Es kam auch vor, dass FlĂŒchtlingswagen beschossen wurden. Oft wurde zwischen Soldaten und der Zivilbevölkerung kein Unterschied mehr gemacht.

14 Millionen Deutsche mussten ab Ende 1944 ihre Heimat verlassen.

JĂŒrgen Heller

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Aufgabe

FluchtumstÀnde

ErklÀre anhand der Karten und Darstellungstexte oben, warum die Flucht der Deutschen aus den Ostgebieten 

  • erst Ende 1944 einsetzte und
  • dann innerhalb kurzer Zeit zu einer ungeordneten Massenflucht wurde.
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Deutsches Leid: Flucht & Vertreibung | Geschichte
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https://www.youtube.com/watch?v=TSJpI_UK0PE

Flucht aus den Ostgebieten

2. Auf der Flucht

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Der Winter 1944/45 war besonders hart. Es lag hoher Schnee und die Temperaturen fielen bis auf 25 Grad Celsius unter Null. Die Menschen mussten ĂŒberstĂŒrzt ihre Wohnungen, die Bauernhöfe und GutshĂ€user verlassen. Nur das Nötigste verstauten sie auf Karren, Kutschen, Schlitten und Wagen, in RucksĂ€cken, Koffern und SĂ€cken. Ihr sonstiger Besitz blieb zurĂŒck. Die meisten flĂŒchteten auf eigene Faust oder schlossen sich einem FlĂŒchtlingstreck an. Die Menschen flohen zu Fuß, mit Leiterwagen oder Pferdefuhrwerken in das westliche Reichsgebiet. Viele flĂŒchteten auch mit den letzten fahrenden ZĂŒgen oder mit Schiffen. 

StĂ€ndig lebten die FlĂŒchtlinge in Angst, von der Front eingeholt zu werden. Die langen Trecks waren oft Ziel von Fliegerangriffen. Alte MĂ€nner und Frauen saßen, kaum geschĂŒtzt vor dem eisigen Winter, auf den Wagen. MĂŒtter schoben KinderwĂ€gen mit Kleinkindern viele Kilometer weit. Hunger, Krankheiten und KĂ€lte begleiteten die FlĂŒchtlinge auf ihrem oft Hunderte von Kilometern langen Weg nach Westen. Es gab keine medizinische Versorgung, keine Lebensmittel und kaum Trinkwasser. Viele, vor allem Alte, SĂ€uglinge und Kleinkinder, starben in der eisigen KĂ€lte an UnterkĂŒhlung oder Hunger.

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Umsiedler aus Litauen
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Urheber: Bundesarchiv, Bild 137-070976 / Hausen, v. / CC-BY-SA 3.0

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_137-070976,_Ostpreu%C3%9Fen,_Umsiedler_aus_Litauen.jpg

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FlĂŒchtlingstreck mit Planwagen

FlĂŒchtlingtreck auf Pferdewagen in Ostpreußen 1945
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Urheber: Bundesarchiv, Bild 146-1979-084-06 / CC-BY-SA 3.0

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_146-1979-084-06,_Fl%C3%BCchtlingstreck.jpg

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FlĂŒchtlinge aus Ostpreußen auf einem Pferdewagen 1945

FlĂŒchtlinge zu Fuß in Richtung Westen
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Urheber: Bundesarchiv, Bild 146-1985-021-09 / Autor/-in unbekannt / CC-BY-SA 3.0

https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Bundesarchiv_Bild_146-1985-021-09,_Fl%C3%BCchtlinge.jpg

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Flucht zu Fuß

FlĂŒchtlingstreck in Richtung Deutschland
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Urheber: Bundesarchiv, Bild 183-W0402-500 / Dissmann / CC-BY-SA 3.0

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Bundesarchiv_Bild_183-W0402-500,_Fl%C3%BCchtlingstreck_in_Richtung_Deutschland.jpg

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FlĂŒchtlingstreck Richtung Deutschland

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Marion GrĂ€fin Dönhoff ĂŒber ihre Flucht vor der Roten Armee
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https://www.youtube.com/watch?v=u8DBxO4npSE

Die ostpreußische Adelige Marion GrĂ€fin Dönhoff erzĂ€hlt von ihrer Flucht.
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Aufgabe

FlĂŒchten

Vergleiche die Flucht 1944/45 aus den deutschen Ostgebieten mit einer heutigen Fluchtbewegung, z.B. die Flucht der Syrer seit 2011 oder die Flucht der Ukrainer seit 2022. Gehe dabei vor allem auf folgende Fragen ein:

  • Was löst die Flucht aus?
  • Wer flieht?
  • Unter welchen Bedingungen findet die Flucht statt?

Finde Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

3. Die Rache der Sieger

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Als die Rote Armee im Oktober 1944 in Ostpreußen erstmals deutschen Boden betrat, konnte sie noch einmal zurĂŒckgeworfen werden. Doch schon in der kurzen Zeit des ersten russischen Einmarsches kam es bereits zu Übergriffen, Erschießungen von Zivilisten und Vergewaltigungen. Die Nationalsozialisten versuchten, diese Verbrechen propagandistisch zu nutzen. Den Deutschen wurden Geschichten von der unmenschlichen Grausamkeit der Sowjets erzĂ€hlt, um ihnen klar zu machen, dass sie bis zum Ende kĂ€mpfen mĂŒssten und sich keinesfalls ergeben dĂŒrften.

Auf diese Weise – sowjetische Kriegsverbrechen und propagandistische Steigerung – wurde das Massaker im ostpreußischen Nemmersdorf zu einem Symbol fĂŒr die Schrecken, die durch das sowjetische VorrĂŒcken ĂŒber die Deutschen kamen. 

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Darstellung

Was geschah in Nemmersdorf?

Der ostpreußische Ort Nemmersdorf wurde im Oktober 1944 von der Roten Armee eingenommen, einige Tage spĂ€ter jedoch von der deutschen Wehrmacht zurĂŒckerobert. Die deutschen Soldaten fanden die Leichen von mehreren Zivilisten. Die deutsche Propaganda machte daraus schnell eine Geschichte von sowjetischen 'Bestien', die im Ort gewĂŒtet und wahllos Deutsche umgebracht hĂ€tten. Auf Fotos ordneten die Deutschen beispielsweise tote Frauen mit hochgezogenen Röcken an, um sie als Vergewaltigungsopfer zeigen (siehe Galerie unten). Die frĂŒhe propagandistische Bearbeitung der Ereignisse stellt fĂŒr die heutige Geschichtswissenschaft eine Herausforderung dar, wenn sie zu klĂ€ren versucht, was damals wirklich in Nemmersdorf passiert ist. Besagte Frauen können durchaus vergewaltigt worden sein. Fotos, auf denen ihnen nach ihrem Tod die Röcke von deutschen Soldaten hochgezogen wurden, sind dafĂŒr aber kein Beleg. Die ersten Zeugenaussagen und Berichte wurden vor NS-Beamten abgegeben, die einen Einfluss darauf hatten, was gesagt und was nicht gesagt wurde. 

Es gilt aber als gesichert, dass mindestens 13 Zivilisten, die sich vor den KĂ€mpfen in Sicherheit gebracht hatten, nach Einnahme des Dorfes von sowjetischen Soldaten gezielt durch KopfschĂŒsse getötet wurden. Einige andere Dorfbewohner und FlĂŒchtlinge wurden wohl wĂ€hrend der Eroberung unter nicht restlos klĂ€rbaren UmstĂ€nden getötet. In Nemmersdorf geschah also definitiv ein Kriegsverbrechen sowjetischer Soldaten.

Lukas Epperlein

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Ermordete Deutsche in Nemmersdorf (Ostpreußen)
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Urheber: Bundesarchiv, Bild 101I-464-0383I-26 / Kleiner / CC-BY-SA 3.0

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_101I-464-0383I-26,_Nemmersdorf_(Ostpreu%C3%9Fen),_ermordete_Deutsche.jpg

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Dieses Foto von den in Nemmersdorf getöteten Menschen wurde von den deutschen Truppen arrangiert und aufgenommen.

Zerstörtes GebÀude in Nemmersdorf.
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Urheber: Bundesarchiv, Bild 101I-464-0384I-36 / Kleiner / CC-BY-SA 3.0

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_101I-464-0384I-36,_Nemmersdorf_(Ostpreu%C3%9Fen),_zerst%C3%B6rte_Geb%C3%A4ude.jpg

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Zerstörtes Haus in Nemmersdorf mit frei laufenden Hausschweinen.

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Urheber: Bundesarchiv, Bild 101I-464-0384I-34 / Kleiner / CC-BY-SA 3.0

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_101I-464-0384I-34,_Nemmersdorf_(Ostpreu%C3%9Fen),_russischer_Panzer_T34.jpg

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Zerstörter russischer Panzer in Nemmersdorf

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Massaker von Nemmersdorf (Ostpreußen): NS-Propaganda-Schlagzeile in der „Braunschweiger Tageszeitung“ vom 27. Oktober 1944.
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Urheber: Braunschweiger Tageszeitung vom 27. Oktober 1944

https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Nemmersdorf_Braunschweiger_Tageszeitung_27_Oktober_1944.JPG

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Braunschweiger Tageszeitung vom 27. Oktober 1944

4. Die verlorenen Ostgebiete

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Schon als Kind liebte ich Landkarten und das Fach Heimatkunde. Ich bin in Westdeutschland aufgewachsen. Stundenlang konnte ich in meinem Schulatlas stöbern, andere LĂ€nder erkunden - und mich ĂŒber mein Heimatland Deutschland wundern. Da war jenseits der DDR eine Grenze mit einer gepunkteten Linie eingezeichnet, mit Gebieten, die wie zwei Finger nach Polen hineinragten, auf denen stand: "Zur Zeit unter polnischer Verwaltung". Daneben gab es ganz im Osten eine Gegend, die sah auf der Karte aus wie ein abgerissenes Ohr. "Ostpreußen" hieß das Ohr, unten stand es "unter polnischer Verwaltung" und oben "unter sowjetischer Verwaltung". Zwei grĂ¶ĂŸere StĂ€dte waren da eingezeichnet: Königsberg und Danzig.

Leider wurde in meiner Schulzeit das Thema der Ostgebiete so gut wie nie aufgegriffen, sodass ich erst viel spĂ€ter mehr ĂŒber dieses Ohr auf der Landkarte erfahren habe. Ich erfuhr, dass es nach dem Zweiten Weltkrieg durch sowjetischen Druck zwischen Polen und der Sowjetunion aufgeteilt worden war. Erst Jahre spĂ€ter habe ich mich auf Spurensuche begeben, um mehr ĂŒber die Ostgebiete zu erfahren.

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Heimatkunde im Deutschen Reich (1941)

Wie in NS-SchulbĂŒchern ĂŒber die Eroberungen im Osten und die dortigen Menschen gesprochen wurde

Titelblatt PlĂŒmer u. Hinrichs, Diesterweg Verlag, Ffm. 1941
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Urheber: PlĂŒmer u. Hinrichs, Erdkundebuch f. Mittelschulen, Das Deutsche Reich, Diesterweg Schulbuchverlag, Frankfurt 1941.

PD

Erdkundebuch aus dem Jahre 1941

Im Jahr 1933 ging mit der MachtĂŒbernahme der Nationalsozialisten die Gleichschaltung der Presse einher. Die Pressefreiheit wurde abgeschafft und die Medien in den Dienst des NS-Staates gestellt. Auch SchulbĂŒcher fielen der Nazi-Ideologie zum Opfer, so auch der renommierte Schulbuchverlag Diesterweg aus Frankfurt am Main (1941). Das Schulbuch strotzt vor „Heim-ins-Reich“-Parolen und der Verherrlichung des Hitler-Kults. So gab es ein „Adolf-Hitler-Koog“ und einen „Adolf-Hitler-Kanal“, genauso wie viele Schulen im ganzen Land den Namen des „FĂŒhrers“ trugen. Über den Krieg standen da zum Beispiel folgende SĂ€tze:

„Nach dem siegreichen Feldzug gegen Polen, nahte die Stunde der Befreiung der Volksdeutschen. Westpreußen und Posen kehrten als Reichsgau Danzig-Westpreußen „heim ins Rech“. (
)Im Herbst 1938 erlöste der FĂŒhrer die Sudetendeutschen aus der Gewalt der Tschechen.

Im September des Jahres 1939 wurde auch Danzig wieder eine Stadt des Deutschen Reiches. Gotenhafen wurde zu einem deutschen Kriegshafen.

(
) Adolf Hitler hatte das Reich wieder groß und stark gemacht. Diesem neuen Deutschland gaben die Litauer freiwillig das Memelland zurĂŒck.

Nach dem siegreichen Feldzug gegen Polen im September 1939 kehrte nach zwanzigjĂ€hriger polnischer Fremdherrschaft Oberschlesien mit seinen bedeutenden IndustriestĂ€dten, Posen und das „Wartheland“ mit Litzmannstadt, einem Zentrum der Webwarenindustrie, wieder heim ins Reich“.

PlĂŒmer Hinrichs, Erdkundebuch fĂŒr Mittelschulen, Das Deutsche Reich, Verlag Moritz Diesterweg 1941, Franfurt/M., Textauszug

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Urheber: Privat JĂŒrgen Heller Briefmarkensammlung/Briefmarkenkatalog

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Briefmarke Litauen mit Aufdruck Memelland

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Urheber: Privat JĂŒrgen Heller Briefmarkensammlung/Katalog

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Briefmarke Freie Stadt Danzig

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Urheber: Privat JĂŒrgen Heller Briefmarkensammlung/Briefmarkenkatalog

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Briefmarke Sudetenland

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Urheber: Privat JĂŒrgen Heller Briefmarkensammlung/Briefmarkenkatalog

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Briefmarke Deutsches Reich Ostpreußen

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Urheber: Privat JĂŒrgen Heller Briefmarkensammlung/Briefmarkenkatalog

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Briefmarke Deutsches Reich, Schlesien

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Urheber: Privat JĂŒrgen Heller Briefmarkensammlung/Briefmarkenkatalog

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Briefmarke des sogenannten Generalgouvernements, Winterhilfswerk Polen

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Urheber: unbekannt

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wappen_Ostpreussen.jpg?uselang=de

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Wappen der Ostprovinz Ostpreußen

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Urheber: Fornax

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wappen_Freie_Stadt_Danzig.svg

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Wappen von Danzig

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Urheber: JĂŒrgen Krause

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:DEU_Grenzmark-Posen-Westpreussen_1929-1938_COA.svg?uselang=de

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Wappen der Ostprovinz Posen-Westpreußen

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Urheber: N3MO

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wappen_Pommern.svg

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Wappen der Ostprovinz Pommern

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Urheber: H. Sturm, F. Moser, SVG by uploader (Fornax)

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Reichsgau_Sudetenland_Coat_of_Arms.svg

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Wappen des Sudetenlandes

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Urheber: SchlÀsinger

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wappen_Schlesiens.png?uselang=de

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Wappen der Ostprovinz Schlesien

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Urheber: Privat JĂŒrgen Heller Postkartensammlung

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Kurische Nehrung

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Urheber: Privat JĂŒrgen Heller Postkartensammlung

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Riesengebirge

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Urheber: Privat JĂŒrgen Heller Postkartensammlung

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Masurische Seenplatte

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Urheber: Privat JĂŒrgen Heller Postkartensammlung

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Schneekoppe

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Urheber: Privat JĂŒrgen Heller Postkartensammlung

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Böhmerwald

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Urheber: Privat JĂŒrgen Heller Postkartensammlung

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Königsberg

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Urheber: Privat JĂŒrgen Heller Postkartensammlung

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Danzig

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Urheber: Privat JĂŒrgen Heller Postkartensammlung aus Archiv der Helene-Lange-Schule Wiesbaden

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Die Marienburg - Schloss des Deutschen Ritterordens

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Ordne die Urlaubsorte auf der Karte richtig zu.

Zusammenfassung: Flucht und Vertreibung aus dem Osten

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