Flucht und Vertreibung der Deutschen – das sind einschneidende Ereignisse in der neueren deutschen Geschichte. Etwa 14 Millionen Menschen verloren am Ende des Zweiten Weltkriegs und in den darauffolgenden Jahren ihre Heimat, wurden enteignet und vertrieben. Oftmals retteten sie nichts als das bloße Leben. Viele Menschen aber starben auch in den Flüchtlingstrecks, in Schnee und Winterkälte, kamen in Racheaktionen, durch Lagerhaft und in sogenannten 'wilden' Vertreibungsaktionen ums Leben. Frauen wurden vergewaltigt. Kinder verloren ihre Eltern, Familien wurden auseinandergerissen.
Das alles war die Folge der verbrecherischen Angriffs- und Vernichtungskriege, die Deutschland in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft begonnen hatte, und es waren gleichsam die letzten Verbrechen dieser unmenschlichen Zeit.
Viele Vertriebene kamen nach Hessen und bauten dort mit Mut und Tatkraft ein neues Leben auf. Trotz all des Leids erbrachten die Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg ein großes gesellschaftliches und politisches Friedenswerk. Sie sagten sich von Revanche und neuerlicher Gewalt los, sie wirkten fortan für Frieden und Verständigung. Sie brandmarkten aber auch immer wieder das Verbrecherische der Vertreibungen und kämpften unermüdlich dafür, das Recht auf Heimat als universelles Menschenrecht anzuerkennen. Sie dachten und denken dabei keineswegs nur an ihr eigenes Schicksal.
Von den Ursprüngen nationalistischer Ideologien im 19. Jahrhundert, von den frühen Vertreibungen ganzer Volksgruppen, vom Leid der Flüchtlinge und Vertriebenen aus den früheren deutschen Ostgebieten und von ihrem Mut zu einem friedlichen Neubeginn in der Fremde, die sich im Laufe der Jahre zur zweiten Heimat entwickelte, wird hier berichtet. Und dabei darf nicht aus dem Blick geraten, dass Flucht und Vertreibung nicht nur den Deutschen widerfahren sind und dass es sich dabei auch nicht nur um ein historisches Thema handelt Vertreibungen sind auch in der Gegenwart als Mittel von Kriegführung und Rache noch nicht gebannt – ob in Jugoslawien, Ruanda oder der Ukraine. Und daher müssen wir immer noch dagegen kämpfen.