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Flucht und Vertreibung im europäischen Kontext

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Urheber: Digitale Lernwelten GmbH

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Flucht und Vertreibung im europäischen Kontext

hg. von Marcus Ventzke, Lukas Epperlein, Florian Sochatzy und
Johannes Grapentin

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Worum es hier geht

Flucht und Vertreibung der Deutschen – das sind einschneidende Ereignisse in der neueren deutschen Geschichte. Etwa 14 Millionen Menschen verloren am Ende des Zweiten Weltkriegs und in den darauffolgenden Jahren ihre Heimat, wurden enteignet und vertrieben. Oftmals retteten sie nichts als das bloße Leben. Viele Menschen aber starben auch in den Flüchtlingstrecks, in Schnee und Winterkälte, kamen in Racheaktionen, durch Lagerhaft und in sogenannten 'wilden' Vertreibungsaktionen ums Leben. Frauen wurden vergewaltigt. Kinder verloren ihre Eltern, Familien wurden auseinandergerissen.

Das alles war die Folge der verbrecherischen Angriffs- und Vernichtungskriege, die Deutschland in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft begonnen hatte, und es waren gleichsam die letzten Verbrechen dieser unmenschlichen Zeit.

Viele Vertriebene kamen nach Hessen und bauten dort mit Mut und Tatkraft ein neues Leben auf. Trotz all des Leids erbrachten die Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg ein großes gesellschaftliches und politisches Friedenswerk. Sie sagten sich von Revanche und neuerlicher Gewalt los, sie wirkten fortan für Frieden und Verständigung. Sie brandmarkten aber auch immer wieder das Verbrecherische der Vertreibungen und kämpften unermüdlich dafür, das Recht auf Heimat als universelles Menschenrecht anzuerkennen. Sie dachten und denken dabei keineswegs nur an ihr eigenes Schicksal.

Von den Ursprüngen nationalistischer Ideologien im 19. Jahrhundert, von den frühen Vertreibungen ganzer Volksgruppen, vom Leid der Flüchtlinge und Vertriebenen aus den früheren deutschen Ostgebieten und von ihrem Mut zu einem friedlichen Neubeginn in der Fremde, die sich im Laufe der Jahre zur zweiten Heimat entwickelte, wird hier berichtet. Und dabei darf nicht aus dem Blick geraten, dass Flucht und Vertreibung nicht nur den Deutschen widerfahren sind und dass es sich dabei auch nicht nur um ein historisches Thema handelt Vertreibungen sind auch in der Gegenwart als Mittel von Kriegführung und Rache noch nicht gebannt – ob in Jugoslawien, Ruanda oder der Ukraine. Und daher müssen wir immer noch dagegen kämpfen.

Marcus Ventzke

Übersicht über die Inhalte

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Erklärvideo – Worum geht es in diesem Digitalportal?
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© Dilewe

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Übersicht über die Funktionen

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Erklärvideo – Wie funktioniert dieses Digitalportal?
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© Dilewe

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Das Team – die Autoren stellen sich vor

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Lukas Epperlein

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© Lukas Epperlein

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Einer meiner ersten Kontakte mit dem Thema Vertriebene war mein kindliches Verwundern über die Existenz einer "Sudetenstraße" in meiner Heimatstadt. Ich konnte mit dem Begriff nichts anfangen und dachte anfangs, ich hätte mich verlesen und es handele sich um die "Studentenstraße" – von der Existenz von Studenten hatte ich damals bereits erfahren.

Heute kenne ich nicht nur den Unterschied zwischen Sudetendeutschen und Studenten, ich verstehe auch immer besser die Wichtigkeit, die das Gedenken an Flucht und Vertreibung sowie die Auseinandersetzung mit der Vertreibungsgeschichte für die deutsche Gesellschaft hat. Die Arbeit an diesem Projekt hat dazu in erheblichem Maße beigetragen.

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Marcus Ventzke

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© Hubert Klotzeck (www.galeriebildflaeche.de)

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Meine Großmutter kam aus Schlesien: Dyhernfurth, heute Brzeg Dolny. Über das Leben in Schlesien, den Zweiten Weltkrieg und die Flucht habe ich daher schon als kleiner Junge aus den Erzählungen meiner Großmutter gehört. Und auch meiner Mutter und meiner Tante, die am Ende des Krieges kleine Mädchen waren, habe ich gelauscht, wenn sie vom Rodeln im Winter am Oderdamm, vom Haus meiner Urgroßeltern oder dem Geschäft meines Urgroßvaters berichteten.

Die deutsche Vergangenheit im Osten Europas hat mich immer interessiert und vielleicht hat sie auch dazu beigetragen, dass ich die Beschäftigung mit Vergangenheit und Geschichte zu meinem Beruf gemacht habe.

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Marina-Elisabeth Herischko

§ PD

Europas Vergangenheit ist geprägt von Flucht und Vertreibung, dennoch habe ich mich im Laufe meines Geschichtsstudiums nie so intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt, da ich großteils andere Schwerpunkte hatte. Als Geschichtslehrerin hat sich während meines Auslandsaufenthalts in Spanien dann die einmalige Chance ergeben, gemeinsam mit Digitale Lernwelten an diesem Projekt zu arbeiten. Im Zuge des Projektes habe ich mich sehr innig mit dem Thema Flucht und Vertreibung auseinandergesetzt und mir wurde die Präsenz und Wichtigkeit auch in unserer heutigen Zeit noch einmal mehr deutlich. Ich bin sehr dankbar, dass ich Teil dieses tollen und äußerst wichtigen Projektes sein durfte!

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Jürgen Heller

§ Arrc

Meine Empathie für das Thema Flucht und Vertreibung geht zurück auf eine Begebenheit aus frühen Kindheitstagen in Allendorf/Kr. Marburg. Meine Familie hatte dort nach der Flucht aus dem Sudetenland und der Kriegsgefangenschaft meines Vaters in Italien ein neues Zuhause gefunden. Über den Krieg wurde fast nie gesprochen, eher über den Verlust von Heimat. Weihnachten stand vor der Tür und an einem Dezembertag des Jahres 1954 war in der 1. Klasse der Dorfschule Wichteln war angesagt.
Ich war eines der Flüchtlingskinder in der Klasse und 6 Jahre alt. Alle Kinder hatten etwas Süßes in einem Päckchen, mein Tischnachbar jedoch hatte einen Schuhkarton nur mit Kohlebriketts. Dabei zerriss es mir fast das Herz. Die Identifikation mit anderer Not und Leid ist seitdem geblieben. Später, als Lehrer, hatte ich viel Kontakt mit Schülerinnen und Schülern aus Marokko, dem Iran, Syrien, Eritrea und Kasachstan, die mir ihre Fluchtgeschichten erzählten. Die Verknüpfung der eigenen Fluchtgeschichte meiner Familie mit vielen Original-Fluchtdokumenten, mit den Eindrücken der Besuche von Erinnerungsorten wie Theresienstadt, Buchenwald und Lidice und den Berichten der Flüchtlingskinder haben mein Interesse und mein Engagement für dieses Thema begründet.

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Julia Tenzer

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http://Julia+Tenzer

Arrc

Eigentlich bin ich schon oft mit dem Thema Flucht und Vertreibung in Berührung gekommen. Es wurde in meinem Geschichtsstudium thematisiert, ich lernte Geflüchtete kennen, für deren Geschichten ich mich immer interessierte, und es ist seit Jahren Teil der medialen Berichterstattung.

Dennoch wurde mir die Präsenz und Wichtigkeit des Themas erst so richtig bewusst, als ich 2021 durch mein Auslandssemester in Omsk mit Russlanddeutschen in Berührung gekommen bin. Ich fing an, mich immer intensiver mit der Thematik Flucht und Vertreibung auseinanderzusetzen und stieß dabei auch auf die Digitalen Lernwelten in Eichstätt. Um auch junge Menschen weiterhin für Geschichte zu begeistern, sind hochwertige digitale Lernangebote von großer Bedeutung. Ich bin deshalb froh, als Autorin an diesem Projekt beteiligt gewesen zu sein.

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Jonathan Ventzke

§ PD

Für mich waren Flucht und Vertreibung lange Themen, die ich nur aus den Nachrichten kannte. Trotz stetig steigender Flüchtlingszahlen fühlte sich das Thema weit weg an. Entweder war ich nur indirekt betroffen, oder es waren Themen des Geschichtsunterrichts.

Erst mit dem Reisen, insbesondere durch Südosteuropa, ist mir bewusst geworden, wie viel unser aller Vergangenheit und Geschichte bestimmt wurde und wird durch Flucht und Vertreibung. Insbesondere in Bosnien und Herzegowina ist mir bewusst geworden, wie wertvoll ein Zuhause sein kann und wie schmerzhaft es ist, sein Zuhause verlassen zu müssen.

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Katharina Brauckmann

§ PD

Flucht und Vertreibung- das ist traurigerweise ein fester Bestandteil europäischer Geschichte. Da das Thema auch und gerade heute noch wichtig ist, habe ich sehr gerne an diesem Vorhaben mitgearbeitet. Durch mein Geschichtsstudium ist der Kontakt zu Digitale Lernwelten entstanden und es war spannend, Teil eines digitalen Projekts zur Vermittlung von Geschichte zu sein.

Gerade für junge Menschen und Schülerinnen und Schüler ist es wichtig, mit Hilfe von historischen Ereignissen- wie etwa die Vertreibungen während und nach dem Zweiten Weltkrieg- zu lernen, kritische Fragen und ein selbstständiges Geschichtsverständnis zu entwickeln. Gleichzeitig denke ich, dass das Lernen auch spannend sein soll, daher war ich gerne Teil dieses interaktiven Projekts!

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Daniel Scheuerer

§ PD

Meine Urgroßeltern sind 1945 aus dem Sudetenland nach Bayern geflohen. Ich konnte sie als Kind noch kennenlernen, mit den Geschichten von Flucht und Neuanfang damals aber noch nicht viel anfangen. Begleitet hat mich das Thema trotzdem im weiteren Leben: Später hatte ich in der Jugendarbeit Kontakt mit Geflohenen aus Eritrea, Syrien und Afghanistan und hörte die Geschichten dieser Menschen. Mich hat das motiviert, mich mehr mit dem Thema auseinanderzusetzen, im Rahmen eines Journalistik- und Geschichtsstudiums.

Ich finde es sehr wichtig, dass sich Schülerinnen und Schüler ausführlich mit Flucht und Vertreibung auseinandersetzen. Gerade in den letzten Jahren haben wir zu viel nur über Geflüchtetenzahlen gesprochen. Dabei sind die Menschen hinter diesen Zahlen, das Leid, die Not, aber auch die Hoffnung, zu oft in den Hintergrund geraten. Deshalb freue ich mich sehr, Teil dieses Projekts zu sein und darüber schreiben zu können.

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Jochen Rube

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© Jochen Rube

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Als Lehrer für Englisch und Geschichte in Hessen habe ich die Umsetzung in der Praxis des Unterrichts im Blick. Nachdem mir immer wieder die Grenzen analoger Schulbücher während seiner Arbeit aufgefallen waren, habe ich es mir vorgenommen, die Möglichkeiten digitaler Formate nutzbar zu machen und Altbewährtes mit neuer Technik zu verbinden.

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Weitere Autoren

  • Adrian Kinzig
  • Martin Schröder
  • Matthes Korthase
  • Veronika Absmayr

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